speare im Hamlet oder Goethe im Faust als Tra- gödie empfinden- denn außer dem griechischen hat nur noch der germanische Geist das Leben tragisch erfühlt-; man kann sie wie Cervantes mit bewuß- ter Überwindung der Tragik in Humor auflösen. Der Humor, muß man wissen, ist erst möglich geworden durch das Christentum. Die gesamte An- tike hatte keinen Humor- sie hatte‘Witz, Scherz, Satire, aber keinen Humor. Denn der Humor ist etwas Sieghaftes. Überwindendes, und erst das Christentum brachte durch den Glauben die Über- windung der Skepsis, durch die Gnade die Über- windung unseres innern Elends, durch die Hoff- nung die Überwindung des Leids. Erst auf diesem Seelengrunde gedeiht jenes Gefühl, das mit einem Lächeln, einem wissenden, noch wehen Lächeln in den Abgrund schaut. Einem wissenden, wehen Lä- cheln; denn der Humor ist durchaus eine ernste Sache und immer begleitet von dem Schatten der Melancholie- man braucht nur an„‚David Cooper- field“ und„Ut mine Stromtid‘“ zu denken, um das bestätigt zu finden. Auf diesem Grunde ist auch der Don Quixote erwachsen. Der ihn schuf, der arme kriegsbeschädigte Krüppel mit der einen Hand, der Steuereintreiber in Schuldhaft, hatte den Riß zwischen Sehnsucht und Wirklichkeit bit- ter genug selbst erlebt, aber er hatte das Lächeln darüber gelernt. Er kapitulierte nicht wie Achill, der den Göttern die Schuld zuschreibt: er zerrieb sich nicht daran wie Hamlet; sondern er lächelte, lächelte aus Wissen, Demut und einergroßen Liebe.
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