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Gefangenschaftsbriefe / Dr. Max Josef Metzger (Bruder Paulus) ; eingeleitet und herausgegeben von Dr. Matthias Laros
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sehnte. Daß er buchstäblich seines Todes sterben werde, hat er wohl kaum geahnt; aber nicht nur im Schicksal, sondern auch in der Art seiner Be- wältigung springt die Analogie immer wieder in die Augen.

Schon im Jahre 56, also 11 Jahre vor dem Mar- tyrium, als Paulus in Ephesus seinen bisherigen Lebensweg überdachte, mußte er an die Korinther, die vonfalschen Brüdern gegen ihn aufgehett wurden, schreiben:Wir wollen Euch, Brüder, nicht im Ungewissen lassen über die Bedrängnis, die uns in Asien widerfahren ist. Da wurden wir im Übermaß, weit über unsere Kräfte bedrückt, so daß wir sogar am Leben verzweifelten. Ja, in uns selbst mußten wir uns schon das Todesurteil sprechen, damit wir nicht unser Vertrauen auf uns selbst setten, sondern auf Gott, der die Toten er- weckt.(2. Kor. 1, 8-9). Und weiter rechnet er ihnen vor:Fünfmal habe ich die 39 Geißelhiebe bekommen, dreimal bin ich mit Ruten geschlagen, einmal gesteinigt worden, dreimal habe ich Schiff- bruch gelitten, einen Tag und eine Nacht war ich ein Spiel der Wellen...(XI, 24). Den ersten Vorgeschmack dessen, was Gefangenschaft in der antiken Welt bedeutete, hat er in seinem gelieb- ten Philippi bekommen. Eine hysterische Sklavin, die durch Wahrsagerei ihrer Herrschaft Geld ver- diente, war Paulus und Silas hachgelaufen und hatte sie als Boten des höchsten Gottes begrüßt, und Paulus hatte sie von dem bösen Geist befreit, sc daß sie die Wahrsagerei einstellte. Da erregte