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Die Gitterharfe : Gedichte 1933 - 1945 / Hans Lorbeer
Entstehung
Seite
97
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Man sagt, daß du die Welt erschaffen hast... Wie klein ist da der Mensch vor deinem Wesen! Und doch, er glaubt, er habe dich erfaßt

und sei, dich auszulegen, auserlesen;

nun lehrt der Mensch den Menschen, dir zu dienen, als ob du solcher Dienste hungrig seist...

Du aber bist noch keinem je erschienen,

weil du nicht nötig hast, daß man dich preist.

Ach, es ist so bequem, an dich zu glauben!

Doch ich verachte die Bequemlichkeit;

der Geist, der mir geschenkt, soll nicht verstauben im Dämmerzustand falscher Seligkeit.

Ich will ihn schwingen, einen Hammer schwer,

mein Sein zu schmieden, daß es fest sich schmiege an alle Erdendinge um mich her

und ich der Himmelssehnsucht nicht erliege!

Noch niemals, ‚Gott, sah ich dein Angesicht... Wo soll ich dich im Makrokosmos suchen?

Bist du denn wirklich oder bist du nicht?

Lebst du zu segnen oder zu verfluchen?

Ich weiß es nicht, du hemmst mein letztes Wissen, und darum sage ich: was ich nicht weiß,

kann ich bis ich es einmal weiß vermissen! Dies ist die Weisheit hier in meinem Kreis,

Mein Kreis ist weit, denn er umspannt die Erde nicht nur allein, er schwingt sich durch das All, und wenn ich selbst ihn nicht zersprengen werde, genügt er bis zu meinem Ich-Zeriall.