IN MEINE SCHAUFEL
Wenn ich dich, meine Schaufel, so betrachte,
dann kommen mir so allerlei Gedanken—
an Tage, die ich schon mit dir verbrachte,
an graue Stunden, da ich wenig lachte,
da alle Träume mir erschöpft versanken
im tiefen Strome harter Wirklichkeit—
und ich dich schwang im Werkschmerz schwerer Zeit.
Dein Stiel ist schlank, dein Stahl ist scharf und blank, wie eine Schuld ruhst du in meinen Händen,
die sind davon nicht selten matt und krank,
denn— ach— du kennst nur Pflicht und keinen Dank, und wenn sie vor dir niemals Ruhe fänden,
sie müßten sterben— du aber würdest leben,
dich anderen Händen fordernd hinzugeben.
Oh, wenn ich kraftvoll dich ins Erdreich stoße
und dich beladen hebe, wiege, schwinge,
dann packt mich eine große, grenzenlose
Sehnsucht nach Tagen, die ich frei von dir verbringe, Gast an der Tafel süßer irdischer Dinge...
Und doch, ich liebe dich und pflege dich,
kein Rost, kein Schmutz darf deinen Leib umkleben, mein Spiegelbild soll sich aus dir erheben,
— das ist dein Dank, dein stummer Dank an mich...
Einmal wirst du in meiner Hand zerbrechen... Das ist der Fluch, den jeder Segen birgt.
Und auch ich selbst muß einst mein letztes ‚Feierabend‘ sprechen. Wohl mir dann, wenn, was ich getan, trotz aller Schwächen,
gleich deinem Werk weit in die Zeit fortwirkt!
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