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Die Gitterharfe : Gedichte 1933 - 1945 / Hans Lorbeer
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90
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ERNTERITED

Nun wogt ein goldnes Ährenmeer

durchs sonnige, fruchtschwere Land;

die Schnitter schreiten fest einher,

die Sense in schwieliger Hand;

hell blinkt und klingt und schwingt der Stahl, es fliehen die Stunden im Flug,

da fallen Schwaden ohne Zahl

und Perlen der Mühsal genug.

- Nun ist die reife Flut gemäht, zu brotreichen Garben gerafft; so ernten wir, was wir gesät in schweigender Leidenschaft. Das ist des Lebens tiefster Sinn, Beherrscher des Hungers zu sein! Wir geben uns selbst als Saatkorn hin und fahren die Ernte auch ein.

Nun öffnet alle Tore weit! Mit leuchtendem Mohn schmückt das Brot_ und singt das Lied der neuen Zeit,

das Grablied der alten Not!

Die Sensen hoch im Sonnenbrand!

Weh dem, der den Hunger nicht zwingt! Nur dem gehört. das weite Land,

der sich ihm selber bringt!