LENZMORGEN
Ein kühler Wind fließt durch das Licht, Die Knospen glänzen dick und wach. Aus sanftem Tale blinkt der Bach hinauf zum weißen Wolkendach,
durch das ein Sonnenstrahl sich bricht.
Ich weiß: leicht greift mit kalter Hand der Winter jäh ins Land zurück.
Ganz ohne Unglück ist kein Glück;
von jeder Freude bricht ein Stück
das Schicksal sich— als Zins, als Pfand,
Mein Freund, mich hat die Zeit gequält mit Unrecht, Hohn und Peitschenhieben. Sieh her: geächtet und vertrieben
bin ich mir selber treu geblieben!
Einst kommt die Zeit, die mich erwählt!
Dann brechen alle starren Mauern, die mich umengen, donnernd nieder. Dann recke ich die treuen Glieder und strahlend steigen meine Lieder um auch mich selbst zu überdauern...
Ach, laß mir diesen schönen Traum... Ich weiß es wohl, es geht ums Ganze, nicht nur um lenzbewegte Hanse—; ein ganzes Volk tritt an zum Tanze unter der Freiheit Lindenbaum!


