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Praktisches Kochbuch für die gewöhnliche und feinere Küche : unter besonderer Berücksichtigung der Anfängerinnen und angehenden Hausfrauen / neu bearbeitet und herausgegeben von Luise Holle
Entstehung
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792 Die Kunſt des Wirtſchaftens.

danach unter Berückſichtigung der übrigen Mahlzeiten einen Koſtenanſchlag auf. Dieſen ſelbſt aufgeſtellten Küchenzettel führe man in der erſten Zeit, ſoweit nicht unvorhergeſehene Umſtände Anderungen unvermeidlich machen, genau durch. Der nachträgliche Vergleich des Anſchlages mit den wirk⸗ lichen, im Wirtſchaftsbuch verzeichneten Ausgaben zeigt uns, was für Fehler wir gemacht haben und vermehrt mit jedem neuen Monat die Sicherheit in der Aufſtellung des Küchenzettels und die Freude daran. Die Durch⸗ führung wird zeigen, daß wir mit ſolchem Wirtſchaften unſeren Lieben größere Abwechſelung und manches feinere Gericht bieten können, an das wir vorher nicht zu denken wagten.

Aber nicht nur mit dem Gelde heißt es planmäßig haushalten, ſondern auch mit der Zeit. Wie viel wertvolle Zeit vergeudet nicht manche Frau mit dem Aufſammeln, Anfertigen, Inſtandhalten und Einordnen geringwertiger Dinge, die ſie kaum je wieder gebraucht oder die ſie, wenn nötig, für ein billiges als Erzeugnis der Induſtrie kaufen kann. Sie ſchätzt damit ſelber den Wert ihrer Zeit und ihrer Arbeit unter der des am ſchlechteſten bezahlten Tagelöhners ein. Das Spinnrad iſt heutzutage nicht mehr Symbol der Hausfrauentüchtigkeit! Zeit ſparen heißt aber Zeit gewinnen für wichtigere Dinge(z. B. Geſundheitspflege!), die man andern⸗ falls vielleicht mit ſchwerem Gelde erkaufen müßte. Um aber Zeit zu ſparen, iſt vor allen Dingen Ordnung im Haushalt erforderlich. Für jede Sache gebe es einen beſtimmten Platz und für jede Arbeit ſei eine beſtimmte Zeit angeſetzt. Größer als die Kunſt Ordnung zu ſchaffen iſt die Kunſt Ordnung zu halten. Wo jedes Ding ſeinen Ort hat, wird es nie die Ungemütlichkeit beſtändigen Suchens geben, welches ſelbſt den ſanft⸗ mütigſten Hausherrn in Zorn verſetzt; und wo für jede Arbeit eine feſte Zeit innegehalten wird, vermeidet man das aufregende Haſten und Hetzen, das in manchen Haushaltungen an der Tagesordnung iſt und welches niemals im Manne ein behagliches Ruhegefühl wach werden läßt, den Kindern aber den Segen der Erinnerung an ein trauliches, anmutiges Heim raubt. In einem planmäßig geführten Haushalt wird nicht ſtets auf den Wunſch des Hausherrn nach einem gemeinſamen Spaziergang oder einer anregenden Lektüre und regem Gedankenaustauſch das WortIch habe keine Zeit dazu! erfolgen, und auch die Kinder des Hauſes werden ſtets ihr Mütterchen bereit finden, ihren kleinen Freuden und Kümmer⸗ niſſen ein williges Ohr zu leihen. Das Weib wird an den beſonderen Beſtrebungen ihres Mannes regen Anteil nehmen und auch in das Getriebe der Welt einen Einblick gewinnen können und ſo entgegen der verbreiteten Meinung den Beweis führen, daß man eine tüchtige Hausfrau ſein kann, ohne abgeſtumpft zu ſein für höhere Intereſſen und in Werkeltags⸗Proſa aufzugehen.

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