SMES
Die neuzeitliche Küche.
Umfangreiche und langwierige Forſchungen auf dem Gebiet der Ernäh⸗ rungskunde haben ergeben, daß mancherlei Krankheiten Ernährungsfehler ſind, wie Krankheiten des Stoffwechſels, Mangelkrankheit uſw. Unter dieſen Er⸗ nährungskrankheiten haben wir zum Beiſpiel die Rhachitis oder engliſche Krank⸗ heit(eine Ernährungskrankheit mit Knochenerweichung), die Skrofuloſe(eine Ernährungskrankheit mit Entzündung der Lymphdrüſen), den Skorbut oder Scharbock(eine Ernährungskrankheit mit Geſchwürbildung), die Pellagra (eine Ernährungskrankheit der Haut), die Beri⸗Beri⸗Krankheit in den Tropen und viele andere mehr. Hervorgerufen ſind dieſe Krankheiten durch das Fehlen von Ditaminen. Was ſind nun Vitamined Vitamine ſind eine Anzahl uns früher unbekannter Zuſatznährſtoffe, deren Fehlen oft ſchwere Krank⸗ heiten hervorrufen. Solche durch das Fehlen dieſer Vitamine hervorgerufene Krankheiten nennt man Mangelkrankheiten. Dieſe Urankheiten verſchwinden aber meiſt ſehr raſch, ſobald die fehlenden Zuſatznährſtoffe dem Körper zugeführt werden.
In allen Speiſen ſind dieſe Ditamine enthalten, wenn wir die Speiſen ſo genießen, wie ſie uns die Natur bietet, das heißt alſo z. B.:
Die Körnerfrucht nicht enthäutet, das Obſt nicht geſchält, da zwiſchen Frucht⸗ kern und Schale ſich die Ditamine befinden. Dieſe Ditamine ſind aufgeſpeichertes Sonnenlicht. Da die Vitamine aber nicht hitzbeſtändig ſind und beim Backen und Nochen vielfach zerſtört werden, ſoll man zu den gekochten Speiſen reichlich Rohkoſt geben in Form von grünen, mit Zitronenſaft angemachten Salaten und von rohem ungeſchältem Obſt, ſowie friſcher, ungeſalzener Butter. Auf dieſe Weiſe führt man dem Organismus die den gekochten Speiſen meiſt fehlen⸗ den Vitamine zu. Selbſt dem Säugling ſoll man, wenn er die Muttermilch ent⸗ behren muß, zu der reinen Milchnahrung noch eine rohe Beikoſt geben in Form von Bananen. Wird das Kind nicht mit Muttermilch ernährt, ſoll man tunlichſt mit der Quarzlampe beſtrahlte gekochte Milch geben. Durch Beſtrahlung erhält die Milch die durch das Kochen verlorenen Ditamine wieder. In faſt allen Großſtädten iſt heute beſtrahlte Kindermilch zu bekommen.
Rohkoſt als Beikoſt iſt für jung und alt zu empfehlen, es ſtimmt aber nicht, daß, wie viele fanatiſche Rohköſtler predigen, Rohkoſt allein geſund ſei.
Abgeſehen davon, daß reine, zur Ernährung auskömmliche Rohkoſt für den Minderbemittelten zu teuer käme, wäre ſie als alleinige Nahrung für den ſchwer arbeitenden Menſchen nicht zu gebrauchen, ebenſowenig für Kranke. Wie jede Bewegung, die an ſich Gutes hat, von Fanatikern übertrieben wird, ſo iſt es auch mit der Rohkoſtbewegung. Der Urmenſch, der noch kein Feuer hatte,


