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1608.(140 Schuh Länge, 34 Schuh Breite) Zeughaus 1586 erbaut.“
Der von 1771 bis 1775 in Gießen als Professor der Theo- logie weilende C. F. Bahrdt schildert Gießen in seiner Bio- graphie wie folgtꝰ):
„Gießen ist ein kleines Städtchen, in welchem man kein Dutzend recht schöner und moderner Häuser findet. Auf den Gassen ist Schmutz. Die Misthaufen liegen vor den Häusern. Keine Straße ist gerade. Die Wälle sind fast überall höher als die Häuser, daher die Stadt in ihren Wällen wie ver- graben liegt, und der Mangel einer freien Circulation der Luft viel Gestank und ungesunde Dünste verursacht. Es ist ein unverzeihlicher Fehler der Landespolizei, daß man nicht wie in Leipzig, die Wälle demoliert und in Gärten verwandelt. Dies würde der Stadt Schönheit verschaffen. So schlecht übrigens der Ort ist, so viel Vorzüge besitzt er für seine Ein- wohner. Der erste Vorzug besteht in der Wohlfeilheit. Ich bezahlte damals nach Weihnachten das Pfund Kalbfleisch mit 2 bis dritthalb Kreuzern, und trank einen genießbaren Rhein- wein für drei bis vier Batzen.————
Es war in Gießen nicht nur eine ziemlich besetzte Akademie, sondern es befand sich auch eine ganze Regierung daselbst, welche aus einem Geheimden-Rate und 4 bis 5 Re- gierungsräten bestand. Dazu kam ein starkes Regiment(mehr als 1600 Mann) mit seinen Offizieren.“
Uber die Geselligkeit, das Leben und den Verkehr unter- einander äußert sich Bahrdt, der, aus Erfurt kommend, dort schlechte Erfahrungen gemacht hattes):
„Der Gießener Ton war wirklich tadellos. Man lebte nicht bigott, aber man war auch durchaus von der Frechheit und Unverschämtheit entfernt, welche in einigen Erfurter Zirkeln Mode war. Man sah nie ein willkürliches und freies Herumküssen, sondern es war höchstens erlaubt, beim Kom- men und Abschiednehmen sich zu embrassieren. Man hörte nie eine eigentliche Unfläterei, und nur selten kam eine ganz verdeckte Zweideutigkeit zum Vorschein und ward, ob man sie gleich tolerierte, doch so schnell unterdrückt, daß sie nie einen herrschenden Ton angeben konnte. Mit einem Wort, es herrschte in Gießen wahre Sittsamkeit, bei einem wahren und munteren Umgang.“—
2) C. F. Bahrdt: Geschichte seines Lebens, seiner Meinungen und Schicksale, Frankfurt a. M. 1700. II. Bd. S. 153; vgl. auch O. Buchner: Gießen vor 100 Jahren, Gießen 1879, S. 4 u. 5.
3) C. E. Bahrdt: Bd. II, S. 162/163.


