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Freiheits-, Gleichheits- und Brüderlichkeits-Sucht das deutsche Volk ernstlich berührte. So schrecklich die Kriegsjahre mit all dem Elend, das über die deutschen Lande hereinbrach, auch waren, ein Erfolg kann nicht bestritten werden: Gemeinsames Dulden und Ertragen schlug Brücken über unüberwindlich scheinende Gegensätze. Zunächst allerdings trug man das fran- zösische Joch im Gefühle der Ohnmacht, ohne sich seiner ent- ledigen zu können, vielleicht auch ohne sich Rechenschaft abzugeben, was dies eigentlich bedeutete. Man seufzte unter dem Drucke der Gewalttätigkeiten, der Einquartierungen und unglaublichen Kontributionen, und— beugte sich.
Für das Oberfürstentum Hessen und die Stadt Gießen waren die Jahre 1706— 90 nach dem 30 jähr. Krieg die furcht- barsten, die auszuhalten waren, und deren Nachwehen sich in manchen Gemeinden bis in die heutigen Tage fühlbar machen.
Was besonders die Stadt und Festung Gießen in den Jahren 1796/07 zu ertragen hatte, und in welchem Zustande sie sich befand, sollen die nachfolgenden Ausführungen zeigen.


