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Stadt und Festung Gießen in der Franzosenzeit 1796/1797 / von Wolfgang Meyer
Entstehung
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Einleitung.

Je eindringlicher man sich mit der Geschichte des Krieges der Franzosen in Deutschland beschäftigt und die einschlägige Literatur verfolgt, um so mehr wird man mit Verwunderung er- kennen, daß durch die geringe Zahl der lokalgeschichtlichen, wissenschaftlich durchgeführten Abhandlungen eine Lücke in der Kette der beweiskräftigen Urteilspunkte vorhanden ist. Wohl sind im Laufe der Zeit eine große Anzahl mehr oder minder umfangreicher und wertvoller Werke über jene Kriegs- jahre erschienen, wohl haben Hunderte von Zeitungen in für den unbefangenen Leser schmackhaft zurechtgestutzten Artikeln Erzählungen aus Urgroßväter-Tagen gebracht, die wissenschaft- liche Lokalgeschichte aber zeigt oft ein recht düsteres, verwasche- nes Kußere. Wer einen Krieg kennen lernen will, so wie ihn in seinen Folgen eine spätere Zeit überliefert erhält, wem es nicht genügt, festzustellen, daß dies und jenes sich ereignet hat, der muß in das gewaltige Getriebe der Kriegsmaschine genau hin- einsehen und auch dem Arbeiten des kleinsten Rädchens volle Aufmerksamkeit schenken. Hier bietet die wissenschaftliche Lokalgeschichte, die nicht nur mit den laufenden Ereignissen, sondern auch mit den Menschen bekannt macht, die beste Handhabe. Nicht dasWie, sondern dasWarum ist maß- gebend, und es ist z. B. hundertmal wertvoller, aus den Berichten einer städtischen Behörde oder den Aufzeichnungen eines Privatmannes zu erfahren, warum ein französischer Oberbefehls- haber so und so handelte, als die nackt überlieferte Tatsache, die weiter nichts als sich selbst hinstellt. Von diesem Gesichts- punkte aus kann man auch die Jahre 1796 und 1707 sowie die folgenden betrachten, denn auch sie sind bedeutend in der Geschichte der Stadt Gießen, wie überhaupt in der des deut- schen Vaterlandes. Sie brachten aus dem im Rausche der Selbst- täuschung lebenden Frankreich, das ein unerträglich gewordenes Joch abwarf und zunächst, ohne es zu merken, sich das neue schon auflud, den Geist einer neuen Zeit, die Erkenntnis des eigenen lchs, ohne daß der Taumel der alles niederreißenden