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Allgemeines evangelisches Gesangbuch für das Grossherzogthum Hessen
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Selbſterkenntniß und Demuth.

Wohl: und doch thu ich nicht immer, was ich ſoll.

10. O lehre mich, wie oft, wie ſchnell ich fehle, wie gern ich noch mich vor mir ſelbſt verhehle, und führe du, zu meinem wahren Glück, mich in mich ſelbſt und in mein Herz zurück!

Mel. In allen meinen Thaten

ib, Gott, 4 2 3 Gi ich dr dine.

daß ich mich nie erkühne, darüber ſtolz zu ſeyn! Wer kann bei ſeinen Werken, wie oft er fehlet; merken? Wer iſt von Mängeln völlig rein?

2. Such ich ſtets deinen Wilten ſo eifrig zu erfüllen, als es dein Wort gebeut? Trag' ich der Tugend Bürde aus Kenntniß ihrer Würde, auch immer mit Zufrieden⸗ heit?

3. Entzieh' ich mich den Suͤnden auch ſtets aus rech⸗ ten Gründen? aus wahrer Frömmigkeit? Oft ſind die guten Triebe nicht Früchte deiner Liebe, nur Früchte der Natur und Zeit.

4. Der Sünden meiner Jugend, der Mängel mei⸗ ner Tugend o Herr, ge⸗ denke nicht! Willſt du mit deinen Knechten, wie ſie's verdienten, rechten, ſo trifft ſie Alle dein Gericht.

5. Doch wenn auch, dir zur Ehre, rein meine Tu⸗ gend wäre: weß iſt dieß Ei⸗

und

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genthum? Wer ließ mich un⸗ terrichten? Wer ließ in mei⸗

nen Pflichten mein Gluͤck

mich ſehn und meinen Ruhm?

6. Wer gab mir, dich zu lieben, und dein Gebot zu üben, die Luſt und Freudig⸗ keit? Wer ſtärkte meine Kräfte im Heiligungsge⸗ ſchäfte? Wer gab mir Muth Kraft im Streit?

7. Du ſchaffſt, daß ich dich wähle; du rufſt mich, wann ich fehle, auf rechten Weg zurück, du ziehſt mich ab von Sünden, und läßt mich Gnade finden, und gibſt zu meiner Beßrung Gluͤck.

8. Sollt' ich mich deß er⸗ heben, was du mir, Herr, gegeben? Hab ich zum Stolz ein Recht? Könnt' ich auch Alles üben, was du mir vor⸗ geſchrieben, wer bin ich? Ein unnützer Knecht.

Mel. O Gott, du frommer Gott, 424 err, der du Alles

* gibſt, von dem ich Alles habe, was iſt mein Stand, mein Glück und je⸗

de gute Gabe? Es iſt nicht mein, es iſt ein unverdientes

Gut, darum bewahre mich

vor Stolz und Uebermuth! 2. Wenn ich vielleicht der Weit mehr, als mein Naͤch⸗

ſter nütze, und wenn ich mehr

Verſtand, als er beſitzt, be⸗ ſitze; bin ich drum mehr als er? O nein! Wer ſchenkte

mir