314
Was hat dich, Herr, bewo⸗ gen, daß du mich vorgezo⸗ gen?. Bin ich auch jemals deſſen werth?
5. Nein, ich bin zu geringe der Huld, die ich beſinge, und werd es ewig ſeyn. Dies will ich nie vergeſſen, ſo werd ich nicht vermeſſen durch Stolz und Hochmuth mich entweihn.
6. Das weislich anzuwen⸗ den, was du mit Vaterhän⸗ den mir gütig zugewandt: dies ſey in dieſem Leben mein eifrigſtes Beſtreben! Dazu gib Demuth und Ver⸗ ſtand.
In eigener Melodie.
f 22 Nie leicht ver⸗ 2 kenn ich mei⸗
nes Herzens Schwäche, wenn ich zu viel mir von mir ſelbſt verſpreche, und dann aus Wahn, aus Stolz und Ei⸗ genſinn nicht ſehen will, wie klein, wie ſchwach ich bin!
2. Gib, Gott, daß ich mir keine Nachſicht gönne, daß ich mich ſelbſt und meine Fehler kenne, auch jeden Trieb, der ſich in mir
empört, zum Böſen reizt
und meine Ruhe ſtört!
3. Entdecke mir der Tu⸗ gend wahre Größe und je⸗ des Laſters Niedrigkeit und Blöße; daß nie ſein Reiz mich blendet und verführt; daß immer nur der Tugend Werth mich rührt.
Pflichten gegen uns ſelbſt.
4. Nie laß, v Herr, mich
ſelbſt die kleinſten Suͤnden entſchuldigen und unerheb⸗ lich finden! Gib, daß ich ſie voll tiefer Scham bereu' und ernſtlich auch den kleinſten Fehler ſcheu'!
5. Wenn mein Gemüth der Wahrheit Weg verfehlet, gern gut ſeyn will, und doch das Böſe wählet, leichtſinnig iſt und nicht den Irrthum ſieht: ſo gib ihm Licht, daß es den Irrthum flieht!
6. Verhehl' ich mir beim Heiligungsgeſchaͤfte aus ſtol⸗ zem Wahn den Mangel mei⸗ ner Krafte: ſo lehre mich ihn redlich mir geſtehn, und voll Vertraun zu dir um Hülfe flehn!
7. Wenn ich mich meines Sinns und Wandels freue, und doch nicht ganz mich wahrer Tugend weihe: ſo gib, daß ich, von Eigendün⸗ kel frei, ſie recht zu wuͤrdi⸗ gen ſtets ſorgſam ſey!
8. Wie manche That ent⸗ ſpringt aus niedrem Triebe, aus Eigennutz, und nicht aus Menſchenliebe! Wie manche That gewinnt den Ruhm der Welt, die doch nicht dir, Allſehender, ge⸗
Eel
Peül ud d
icht inmer, w un Olehre wieſtnel ich ih ucch mich zerzelle, und neinem wahre mn nich ſelbſt Herz zrrück
Mel. In allen
eit 4236' daß ich mich darüber ſtolz kaun bei ſeine oſt er ſedlet:
it von Mang
2. Sach i Willen ſo ei als es dein Trag ich de aus Kenntn auch immer heit 3. Entziet Sinden auch ten Grunden Frommigeit guten Trieb deiner diebe der Natur! 4. Der Iagend, de ner Tugend dente mät, deinen Knei verdienten, ſie Alle dei 5. Doch zur Chre,
gend waͤre:


