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10 Unterricht
2) Hoffnung und Vertrauen.— Es heißt im Pf. 90, 14:„Weil er auf Mich hofft, will Ich ihn befreien, und wenn er Mich anruft, will Ich ihn erhören.“ Der h. Chrysostomus sagt(in Ps. 4):„Wer betet, muß vor Allem Vertrauen haben, und er wird das Begehrte erhalten.“
3) Liebe.— Jesus sprach:„Wenn ihr in Mir bleibet und Meine Worte in euch bleiben, so bittet, was ihr immer wollet, ihr werdet es empfangen“ (Joh. 15, 7).
4) Demuth.— Wer betet, soll nicht auf sich selbst vertrauen, sondern auf die Barmherzigkeit Gottes, wie der Zöllner that(Luc. 18, 11).„Das Gebet des sich Demüthigenden durchdringt die Wolken“(Sir. 35, 20).„Auf wen werde ich anders schauen, als auf den Armen und Zerknirschten, der Meine Worte fürchtet?“ So spricht Gott durch Isaias 66, 2. Als Abraham beten wollte, demüthigte er sich und sprach:„Laß mich zu meinem Herrn reden, ob⸗ gleich ich Staub und Asche bin“(1. Mos. 18, 27).„Der Herr blickt auf das Gebet der Demüthigen“(Ps. 101, 18).
5) Verzeihung der Beleidigungen.—„Wenn ihr da stehet, um zu beten, so verzeihet, wenn ihr wider Jemand etwas habet“(Marc. 11, 25).— „Selig sind die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen“ (Matth. 5, 7).
6) Eifer.— Der h. Chrysostomus bemerkt zu den Worten:„Aus der Tiefe rufe ich, o Herr, zu Dir,“ Folgendes:„Aus dem tiefsten Grunde des Herzens, aus dem Innersten der Seele rief David; denn solch ein Gebet hat eine große Gewalt, so daß es nicht erschüttert noch zernichtet wird, wenn auch der Teufel es noch so heftig angreift.“
7) Wohlgeordnete Bitten.—„Ihr bittet und empfanget nichts, weil ihr böse bittet“(Jac. 4, 3). Dies ist das Vertrauen, welches wir auf Gott setzen, daß Er dasjenige erhört, was wir Seinem Willen gemäß bitten.— Der h. Hieronymus sagt(Ep. ad Alp.), Nebridius habe allezeit so zu Gott gebetet, daß ihm zu Theil werden möge, was ihm am besten sei. Der h. Augustinus (tract. 73 Joann.) gibt den Rath, wir sollen bitten, daß uns dasjenige nicht möge gegeben werden, was wir aus Unwissenheit nicht zu unserm Heile bitten.
8) Beharrlichkeit. Diese fordert Christus selbst:„Bittet, so wird euch gegeben werden; suchet, so werdet ihr finden; klopfet an, so wird euch auf⸗ gethan werden“(Matth. 7, 7).— Der h. Chrysostomus sagt(Hlom. 35 in Joann.): „Beweinen wir unsere Trägheit im Beten. Der Kranke saß 38 Jahre am Schafteiche und wartete auf Heilung; und sein Verlangen wurde nicht erfüllt, und das geschah nicht durch seine Nachlässigkeit, sondern weil Andere ihm zu vorkamen; doch gab er seine Hoffnung nicht auf. Wir aber erkalten, wenn wir auch nur zehn Tage gebetet haben, ohne erhört zu werden.“— Hören wir auch den h. Gregor(zum Pf. 129):„Sei beharrlich im Gebete, sei zudringlich im Bitten, und lasse nicht ab im Bitten. Wenn es scheint, als höre der Herr dich nicht, so sei ungestüm, daß du den Himmel an dich reißest; sei gewaltthätig, auf daß du dem Himmel selbst Gewalt anthuest. Denn was ist lohnender, als ein solcher Ungestüm, was ruhmvoller, als eine solche Gewaltthätigkeit? Wahrlich, eine heilsame Gewaltthätigkeit, wodurch Gott nicht beleidigt, sondern versöhnt wird, wodurch der Nächste nicht beschädigt, sondern unterstützt, wodurch die
Sünde vermindert, nicht vermehrt wird.
6. Mittel wider die Zerstrenungen im Gebete. Es ist dem Menschen
zwar schwer, alle Zerstreuungen zu vermeiden. Man kann sie aber durch manche
Mittel vermindern:— 1) Wenn wir unser Herz von den irdischen Sorgen möglichst abziehen, und diese Welt gebrauchen, als gebrauchten wir sie nicht (1. Cor. 7, 34).— 2) Wenn wir an die Gegenwart Gottes denken, der das Herz
durchschaut. Der heilige Basilius sagt:„Wenn derjenige, welcher vor dem Fürsten steht, und mit ihm redet, sowohl auf seine äußere gute Haltung, als auch auf


