310 Morgen und Abendgebet eines Reisenden.
Dank bringt unser Herz: denn von dir allein und deiner väterlichen Erbarmung kommt diese Hülfe. Stets wollen wir daran gedenken, daß du Alles gebrauchen kannst, um uns deine Macht zu unserm Unglücke fühlen zu lassen. Immer wollen wir in deiner Furcht wandeln, auf deine heilige Gebote sehen, und durch deine Gnade unser Gewissen vor der Schuld muthwilliger und vorsätzlicher Sünden sorgfältig bewahren. Immer wollen wir dich lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, von ganzem Gemüthe!
Das sind wir deiner schonenden Güte schuldig; diese chriftliche Ges finnung wird auch unsre Seelen mit Hoffnung, Ruhe und Muth erfüllen, wenn neue Gefahren drohen. Herr, immer sey uns deiner Hülfe nahe, und deine mächtige Hand schüße uns! Amen.
Morgengebet eines Reisenden.
Numächtiger Gott! du bist mit deiner unsichtbaren Kraft und Wirkung
bei allen deinen Geschöpfen zugegen: du umgibst uns an allen Orten, und fiebeft alle unsre Wege. D wie tröstlich ist dieser Glaube dem, der dich fürchtet! Wie tröstlich ist es auch mir in diesem Augenblicke, daß ich, fern von den Meinigen, mich unter deinem Schuße sicher weiß! Du hältst gewiß deine Hand über mir, daß mich kein unfall treffen wird. Wer unter dem Schuß des Höchsten ist, und unter dem Schatten des Allmächtigen wohnet, der spricht zu Gott: du bist meine Zuversicht und mein Trost; meine Hülfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat." In diesem festen Bertrauen zu deiner Macht und Güte( fange ich jetzt meine Reise an) seße ich denn mit getroftem Muthe meine Reise nun fort. Sey du mein Schuß wider alle Gefahr, die mir begegnen kann. Sey du auch der mächtige Schuß aller der Meinigen, die ich zurückgelassen habe; behüte sie vor Sünden und allen betrübten Zufällen. Bringe mich gesund an den Ort, an den ich kommen will. Segne meine Berrichtungen, und Laß mich) Alles, was ich vorhabe, in deinem Namen thun. Laß mich an allen Orten vor dir wandeln, und von Herzen fromm seyn. Dich will ich für alle diese Wohlthaten täglich loben und preisen; mein Leben zur Berherrs lichung deines Namens anwenden, und endlich wann ich diese Pilgrimschaft geendiget habe, dir dort in meinem himmlischen Baterland ewig Dank fagen! Amen.
Abendgebet eines Reisenden.
Fürchte dich nicht: ich bin bei dir! weiche nicht, ich bin dein Gott; ich stärke dich, ich helfe dir, ich erhalte dich durch die rechte Hand meis ner Gerechtigkeit. Esaia 41, 10.
Täglich erfüllest du diese tröftliche Berheißung an mir, o du getreuer Gott!
Und ich habe auch an dem heutigen Tag aus der Erfahrung gelernet, daß die, welche dich fürchten, kein Utebel trifft.
Du warst bei mir mit deiner unsichtbaren Kraft; du haft mein Les ben und meine Gesundheit erhalten, meine Glieder zur Bollendung der Zagreise gestärket, Gefahren von mir abgewendet, und mich die Stätte erreichen lassen, da ich ruhen und mich wieder erquicken kann. Nimm meis nen demüthigen Dank für alle Barmherzigkeit und Treue, die du an mir gethan haft!
Bergib mir nur, geliebter Bater! alle Schuld, wo ich mich irgend auf eine Art an dir versündiget haben mag. Laß, um Chrifti willen, deine Gnade nicht von mir weichen. Bedecke mich mit deinem mächtigen Schilde wider alle Gefahren der Nacht. Laß mich den Morgen fröhlich wieder sehen, daß ich mit frohem Herzen rühmen und sagen könne: Gott ist bei mir, ich bin sicher und fürchte mich nicht. Der Herr ist mein Licht und mein Heil, wovor sollte ich mich fürchten? Der Herr ist meines Lebens Kraft, wovor sollte mir grauen? Seine rechte Hand schüßet mich; seine Güte leitet und segnet mich." Amen! das wolleft du an mir gnädig erfülBen, um Jesu Christi willen! Amen.


