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Gesangbuch für die protestantische Kirche des Königreichs Bayern
Entstehung
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Morgen und Abendgebete auf alle Wochentage. 301

dir, Erhalter meines Lebens! Gütigster Bater, durch den ich Alles bin, laß mich heute in deinem Namen und in deiner Furcht mein Tagewerk voll­bringen! Laß mich den großen Zweck des gegenwärtigen Lebens niemals aus dem Gesicht verlieren, und immer daran denken, daß ich mich hier zur feligsten Gemeinschaft mit dir, und zum Genuß der himmlischen Güter, die mir Christus erworben hat, unter dem Beistand deines Geistes, geschickt machen soll!

Jesus lehrt mich, daß ich mich selbst verläugnen, allem Bösen ents sagen, meine sündlichen Lüfte, und was mich an meiner Pflicht und Glück: feligkeit hindert, verachten und fliehen soll. Ich soll dem Guten nachiagen, und nicht müde werden. Ich soll nicht mir selbst leben, sondern Christus soll leben in mir.

Ach, Herr, mein Gott! wer ist zu diesen Dingen geschickt? Wie werde ich diesen wichtigen Forderungen ein Genüge thun können, wenn anir der fräftige Beistand deines Geistes fehlt? wenn du nicht selbst in mir Schwachen mächtig bist? Ach, Herr, ich erkenne mein Unvermögen, ich) fühle mich deiner Gnade höchst bedürftig! Aber ich weiß auch, daß Alle, die nach Gerechtigkeit hungern und dürften, nach deiner unwandelbaren Berheißung gesättiget werden sollen.

Laß denn deinen guten Geift auch mich zu allem Guten beleben! Laß mir deinen Beistand zur Unterdrückung und Beherrschung aller sünd­lichen Leidenschaften und Lüfte keinen Augenblick fehlen! Laß mich aber auch redlich allen guten Antrieben folgen, die deine Gnade heute in meinem Herzen erwecken wird! Bewahre mich vor Nachlässigkeit im Gebet, und gib, daß ich recht aufrichtig wünsche und suche, heilig, und frei von allen bösen Gedanken und Lüften zu werden! Laß mich allen Gelegenheiten zur Günde gewissenhaft ausweichen, und mit meinen Augen und Ohren einen Bund machen, sie vor Allem zu verschließen, was mich von dem Weg der Tugend ablocken kann! Nun denn, o mein Gott, da ich deinen Willen weiß, so verleihe mir auch die Gnade, denselben redlich zu erfüllen! Lehre mich thun nach deinem Wohlgefallen; denn du bist mein Gott! dein guter Geist führe mich auf ebner Bahn! Amen.

Abendgebet am Donnerstage.

Gott, böre mein Gebet, und verbirg dich nicht vor meinem Fleben, merke

auf mich, und höre mich: bleibe bei mir, denn es ist Abend worden, und der Tag hat sich geneigét! Du hast heut', wie allezeit, Alles wohl gemacht: aber mein Thun ist mit vielem Bösen beflecket! Hast du Luft mit mir zu Hadern, so kann ich dir auf tausend nicht eines antworten. Darum demü­thige ich mich vor dir und bitte dich, du wollest meine Missethat vertits gen, wie eine Wolke, und meine Sünde, wie den Nebel! Heilige mich hin­fort durch und durch, damit mein Geist ganz sammt Seele und Leib bes halten werde unsträflich auf die Zukunft unsers Herrn Jesu Chrifti! Hier ist mein Herz, nimm es hin, und bilde es nach deinem Willen! Du bist mein Schaß, so soll auch mein Herz Tag und Nacht an dir hangen! Ju deiner Liebe will ich einschlafen, und wann ich erwache, bin ich noch bei dir! Laß mir dein Antlik leuchten: so muß die Nacht auch Licht um mich feyn!

Denn auch Finsternis ist nicht finster bei dir, und die Nacht leuchtet wie der Tag, Finsterniß ist wie das Licht. Du bist mein Licht, mein Heil, und meines Lebens Kraft: darum will ich mich nicht fürchten, noch mir grauen lassen, sondern zuversichtlich glauben, du werdest auch in dieser Nacht mich mit deinem Schuß bedecken! Shne deinen Willen kann mir nichts be­gegnen: dein Wille aber ist allezeit gut, und auf mein Bestes gerichtet. Darum vertraue ich dir, denn ich weiß, daß du es treu mit mir meineft, und väterlich gegen mich gefinnet bist! Wer ist jemals zu Schanden wor den, der auf dich gehoffet hat? Wer ist jemals verlassen, der in deiner Furcht geblieben ist? So wende dich denn auch zu mir, stärke mich mit deiner Macht, und nimm dich meiner Seele herzlich an, daß sie nicht vers