Druckschrift 
Choralbuch für die evangelische Kirche im Großherzogthum Hessen
Entstehung
Einzelbild herunterladen

VI

betonten beginnt, wie z. B. bei dem Choral: Alles ist an Gottes Segen wird die Endnote der ersten so zu kürzen sein, daß die Zeit zu dem für die neue Zeile nötigen Atem der vorangehenden zu entnehmen ist. 3. B.:

69.0

Al= les ist an Got= tes Se= gen.

-

Bei den zwei oder drei letzten Tönen mag ausnahmsweise hier ein gewisses Zurückhalten gestattet sein. Der rhythmische Abschnitt muß fühlbar gemacht und der Gesang vor Hast bewahrt werden. In großen, nicht besonders akustischen Räumen, wo eine größere Anzahl von Gemeindegliedern weit auseinander sigt, kann in solchen Fällen bei Melodieen im/ Takt zuweilen eine taktmäßige Pause erlaubt sein, jedoch in der Art, daß der richtige Accent der Tonfolge bewahrt bleibt, und die Unterbrechung nicht gegen den Text verstößt; z. B.:

verjüngt dem Adler gleich

2C.

Das gänzliche Liegenlassen des Basses oder gar der Melodienote am Ende einer Zeile, um dadurch zum Ersatz der ausgemerzten Zwischenspiele eine Verbindung der Zeilen herbeizuführen, ist unstatthast, weil es den freien Fluß des Gesangs stört und überhaupt dem Charakter des Volksgesangs widerspricht. Bei länger ausgehaltenen Noten am Schluß einer Zeile, bei welchen die Gemeinde gewöhnlich schon früher abbricht, muß die Orgel den Wert der Notation aushalten, doch so, daß wiederum der Abschluß der Zeile zur Geltung kommt. 3. B. bei der Melodie ,, Nun lob' mein Seel, den Herren":

1.

fine

Die vier Stimmen müssen bezüglich des Anschlags im Manual und Pedal in strengem Zusammenklang gebracht werden; die vom Klavierspiel abstammende üble Gewohnheit, die einzelnen Akkorde gewissermaßen in ,, gebrochener" Weise zu ſpielen, ist der Choralbegleitung auf der Orgel äußerst ungünstig. Wo die Neigung der Gemeinde zu verspüren ist, einzelne Noten über den eigentlichen Wert hinaus zu halten, kann durch ein gelindes Abheben mit dem Akkord, vielleicht auch nur mit dem Pedalton entgegen gewirkt werden.