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Choralbuch für die evangelische Kirche im Großherzogthum Hessen
Entstehung
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VII

Bei weniger gangbaren oder unbekannten Chorälen ist zu empfehlen, anfangs die Melodie mit einem hervor­tretenden Register auf einem besonderen Manual, oder durch Verdoppelung derselben mittelst der höheren Oktave auf demselben Manual hervorzuheben. Auch empfiehlt es sich, nach dem Präludium oder an Stelle desselben die Melodie mit entsprechender Registermischung vorzuspielen.

Werden die Choräle auf dem Klavier oder auf einem Harmonium ohne Pedal gespielt, so kann häufig bei weit­griffigen Akkorden der Baß eine Oktave höher genommen werden.

Bezüglich des Zeitmaßes, in welchem die Melodieen gespielt werden sollen, kann im allgemeinen Folgendes als Richtschnur gelten. ,, Die Melodieen dürfen niemals so langsam genommen werden, daß der Unterschied von leichtem und schwerem Taktteil, die Wirkung der rhythmischen Gliederung für das Gefühl verloren geht, aber auch nie so schnell, daß der Gesang dadurch an seiner kirchlichen Würde verliert." Vor schnellem Gesang, den Manche als ein charakteristisches Kennzeichen des rhythmischen Chorals ansehen, muß sogar gewarnt werden. Ein Spiel, bei welchem die Gemeinde eine Zeile ohne Mühe auf 2, höchstens 3 Atemzüge zu singen vermag, wie z. B.: Freu dich sehr| o meine Seele, oder wie im Liede: Wie schön leuchtet der Morgernstern: Schön und prächtig,| groß und mächtig| reich an Gaben dürfte im allgemeinen so ziemlich zu einem passenden Tempo führen. Selbstverständlich richtet sich im einzelnen Falle das Tempo auch nach dem Inhalt und Charakter des Liedes und der Melodie, nach der Anzahl der Gemeindeglieder u. s. w. Kirchlicher Sinn, Geschmack, aufmerksame Beobachtung der Gemeinde, eigene Beteiligung am Gesang von Seite des Organisten werden wesentlich dazu beitragen, hierin das Rechte zu finden.

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Die den Chorälen beigegebenen Einleitungen und Strophen- Zwischenspiele sind zunächst für Anfänger und minder Geübte im Orgelspiel bestimmt. Die kurzen Einleitungen können in allen Fällen gebraucht werden, wo kein längeres, ausgeführtes Vorspiel am Plaße ist. Die Zwischenspiele oder Überleitungen sind zwischen den einzelnen Versen und gleich zu Anfang nach einem längeren Vorspiel zu gebrauchen, doch kann in letzterem Fall nach dem Vorspiel auch unmittelbar mit dem Gesang begonnen werden.

4. Die Anordnung der Choräle ist nach der Zahl der Verszeilen und dem Silbenmaße so getroffen, daß die Melodieen zu Liedern, in denen beides gleich ist, nebeneinander stehen. Wo demnach eine Vertauschung einer Melodie mit einer andern möglich ist, stehen die Buchstaben a b c u. s. f. Hierdurch wird es ermöglicht, auch in Gemeinden von geringerer Gesangeskraft dem Texte nach neue Lieder zu singen, die nach einer bereits bekannten Melodie gehen. Wir erwarten, daß die Geistlichen sich hiermit vertraut machen.

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