Dorrede.
Belt pfleget, wenn sie fidlich ist, auch wol zu fingen: aber wie ihre Freude vom Satan herrühret, also singet sie auch demselben zu Ehren, und entheiliget damit ihre Zunge auf das unverantwortlich, fie, als welche sich allein zum Preise ihres Schöpfers zu bewegen verbunden ist.
Die dritte: Das Singen ift nicht allein eine frucht der Glaubens freudigkeit, fondern Fan auch als ein Mittel, fich zu derselben zu erwecken, gebrauchet werden. Daher haben es einige Kinder GOttes schon långst unter die besondern Bortheile, fich zu ermuntern, gezehlet, wenn fie sonderlich in Ge meinschaft anderer Gläubigen ein schönes Lied fingen können. Und wer wolte sich dieses Mittels nicht gerne bedienen? Gewiß ein ieder, dem daran gelegen, daß er brünstig im Geist erfunden werde, und dem die natürliche Trägbeit seines Herzens bewusst ist, läffet sich Daffelbe gar gerne gefallen.
Die vierte: Man muß bey dem Singen ia nicht an der Melodey, armonie, oder ein und andern besonders lebhaften Ausdruck in Worten bangen bleiben, sondern den wahren Segen zur gründlichen Besserung seiner See le fuchen. Eine Melodie, gute Harmonie der Eingenden, und folche Worte, welche eine Sache sehr lebhaft vorstellen, tragen allerdings vieles zur Ermunterung des Herkens ben: nur hat man sich wohl in acht zu nehmen, daß dieses nicht die Haupt, Cache wer be, daran das Gemüth Fleben bleibe. Das Singen muß viel mehr gleichsam die Flügel feyn, damit man sich zu Gott erhebet, und von der Erde in den Himmel mit seiner Seele aufsteiget. Son Ren geschiehet es gar leicht, daß mancher, sonderlich ein von Natur weichherkiger Mensch, durch das Absingen eines beweglichen Bug oder Paßions Liedes auch wol zu Chránen beweget wird: aber es haftet diese Bewegung nicht recht in seinem Herten, sons dern ist jo fort wieder vergangen, alsbald er andere Dinge in die Augen und Sinnen bekommet.
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Die fünfte: Es ist ein Stück der geiftlichen Klugheit, wenn man das Singen und Beren mit einander verbindet. Denn durch das Singen werden die Kräfte des Geistes ermuntert und rege gemacht: durch das Gebet aber dringet ein Kind GOttes in der Stille nahe zu seinem himmlischen Vater ein, und erhält gros Jen Segen. Auf diese Weise wird auch die sinnliche Freude recht ge heiliget und vor Ausschweifungen bewahret.
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