Vorrede.
Ein Aehnliches ist von dem hinzugekommenen zweiten Theil des Gesangbuches zu sagen. Man nenne diese Lieder nicht mit Verachtung neue kieder: einige derselben find schon ein halb Jahrhundert alt, und sie werden, so wie wir, von Jahr zu Jahr älter. Manche sind seit zwanzig, dreißig Jahren in allen protestantischen Ländern Deutschs lands öffentlich oder besonders gelesen oder gesungen wor den, und haben ihre Probe bestanden. Sie stehen als zweiter Theil hier; mithin wollen sie die guten Lieder des ers sten Theils, als ihre älteren Geschwister, nicht verdrängen; denn alle christlichen Lieder bekennen Einen Herren und Heiland. Beide enthalten Einerlei Lehre, und weisen auf Einerlei Hoffnung und Pflichten. Die alten Lieder thun es meistens in einer kräftigeren Sprache; die jüngeren oft mit mehrerer Bestimmtheit and Klarheit. Jene dringen tiefer ins Herz; diese sind unfren Umständen, unserm täglichen Ausdrucke, auch dem Vortrage unster Predigten und Kate: chisationen angemeßner; denn man sage was man will, es Ift schlechterdings unmöglich, sich jetzt in Allem so auszus drücken, wie man sich vor zwei, drei hundert Jahren aus, drückte. Man sagt, wenn man dies thun will, oft Dies felben Worte, bei denen indeß Wenige Dasselbige denken; wer verständlich seyn will, muß in der Sprache sich nach seiner Zeit richten. Uebrigens sind diese Lieder, so wie die Alten, nicht alle von Einerlei Werth; und ob man sich gleich viele Mühe gegeben hat, allenthalben her die Besten zu sammlen, und aus diesen die leeren Verfe zu verbannen:
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