VII
Vorrede.
Wahrheit nachsingen wird, der öffentliche oder besondere Christengefang zu etwas Besserem dasey, als dergleichen leere Wortschälle zu unterhalten. Zu dem Ende vergleiche man solche Lieder mit den ernsten, biedern Gesången Luthers, oder mit Worten und klaren Anweisungen Christi und der Apostel.
Der gelindeste Weg, die Menschen von aller geheimen Heuchelei und Falschheit auch in Gesängen zu entwöhnen, ist, daß man sie zur Prüfung dessen was sie singen, mit gutem, geraden Sinn und mit Liebe zur Wahrheit weise. Im öffentlichen Gottesdienst halte sich der Lehrer an diese Liebe zur Wahrheit. Mit Sorgfalt wähle er die Lieder aus, damit er seine Gemeine nicht zu einer offentlichen Lüge, das ist, zum Bekenntniß von Empfindungen zwinge, die sie weder hat noch haben darf. Dafür sei ihm das reine Wort Gottes in alten oder in neuen Liedern desto werther. Bis weilen ist ein großer Theil von einem Liede anstößig; es hat aber einzelne, unvergleichliche Verse. Wohlan! diese ge brauche der Lehrer; er wende sie in seinen Predigten an, und mache vorzüglich auf sie aufmerksam; das Schlechte lasse er an seinem Ort, damit es in der Stille verschwinde. Er trage Aufsicht, daß auch die ihm untergebenen Sånger und Schullehrer sich nicht aus alten Vorurtheilen gerade ar das Schlechtste im Gesangbuch halten'; sondern vielmehe wie es die Kirchenordnung S. 570 vorschreibt, durch das Auswendiglernen guter Lieder in der Schule, die King der von Jugend auf das Beste faffen und verstehen lernen.
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