VI
Vorrede.
Lied aufgenommen und fand Beifall. Hier muß es cines jeden Lehrers ernstliche Sorge seyn, seinen Zuhörern vors sichtig und bescheiden zu zeigen, was auch in diesen alten Gesängen hie und da dem wahren Sinn des göttlichen Worts nicht gemäß sei: daß es z. B. keine Frömmigkeit sei, mit dem Namen Jefulein, oder mit andern Namen unsres hochgelobten Erldsers, mit seiner Krippe und Windeln, mit seinem Blut, Striemen und Wunden zu tândeln, daß die unseligen Uebertreibungen der Buß- Aengste nach misverstandenen Worten einiger Psalmen eben so unevanges lisch, als unwahr seyn, wenn sie von einem rohen oder fröhlichen Haufen gesungen werden; daß wir, statt über Verfolgung der Feinde über Kreuz und Leiden za seufzen und zu klagen, unsern Feinden vielmehr mit stiller Großmuth verzeihen, und uns hüten sollen, daß wir uns Kreuz und Leiden unnöthiger und unbedachtsamer Weiſe nicht selbst zuziehn; endlich daß alles Schmähen auf dies iordische Leben, alles murrende Hinausseufzen aus demselben, meistens nur Heuchelei und ein leerer Wortschall oder eine wahre Verfündigung sei: denn Gott hat uns hies het gesetzt und wir müssen seinen Wink abwarten, wenn er uns weg rufe aus dem Leben. Vor solchen und andern Mißbrauchen des heiligen Gefanges muß jeder Lehrer feine Zuhörer treu warnen. Er muß zeigen, daß zu andern Zeis ten und unter andern Umständen dergleichen Ausdrücke wahr oder wenigfiens verzeihlich gewesen seyn können, daß aber, da im Allgemeinen faum Einer gus hunderten sie mit
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