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Der 12te Julius.
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feine größre Gnade erweisen könnten, als für mich beten; wann nun der gejagte oder stockende Puls mich in deine Hände überliefert: dann, Herr Jefu! gieb mir ein seliges Ende. Ach! daß ich doch nie Menschen mehr diente, als Gott! Die Luft, die ich jetzt athme; der Schlaf, den ich jetzt erwarte; der Himmel, dessen ich mich gerröße, wenn ich in dieser Nacht versturbe: kann das alles mir ein Geringerer geben, als Gott?
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Der 12te Julius.
Des Lasters Bahn ist anfangs zwar
Ein breiter Weg durch Auen: Allein fein Fortgang wird Gefahr, Sein Ende Nacht und Grauen.
er Wahnwißige kann nicht zusammenhängend denken, verwechselt Begriffe mit einander, fieber feine Folgen seiner Handlungen vorher, und ist um seine Wohlfahrt unbesorgt: der Sklave des Lasters ist ihm in allen diefen Stücken ähnlich. Es ist demnach die Sünde eine Art von Wahnsinn, oder Trunkenheit der Seele.
Zwar im Anfang ist die Sünde ein allerliebs fter Zeitvertreib. Gleich einem jungen Tiger schmeis chelt sie, und thut luftige Sprünge: aber mit den Jahren zerreißt sie den, der neben ihr schläft. In ihrer Jugend scheinet sie flug und manierlich zu feyn; erreicht sie aber ein reifes Ulter: so wird ihe Wahns


