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Unterhaltungen mit Gott in den Morgenstunden auf jeden Tag des Jahres. 2
Entstehung
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Der 11te Julius.

Sind wir erst aus den Händen unfrer Eltern, Lehrer und mit uns eingewöhnten Freunde: so sind wir in einer Fremde, wo man uns hin und her stößt, und für jede freundliche Miene bezahlet seyn will. Und wie weit geben denn alle Diensts leistungen, die ich noch von Menschen zu erwarten babe? Eine wohlthätige Hand wird mir endlich die Augen zudrücken: diese Hand wird doch füffenss werth seyn? Man wird mich in den Garg legen, und zum Beschluß aller Wohlthaten mich in die Erde verscharren: nun das ist doch wol ein zärt: licher Dienst? Ja! aber nur für baare Bezah lung. Nicht verwesen låffet man uns umsonst; die Stelle dazu muß geldset seyn. Alles auf Erden kostet Versprechen, Geld, Mühe oder gar das Gewissen.

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Gott! dessen liebe unsern fühnften Wunsch übertrift! so eigennüßig giebst du nicht. Deine Forderungen sind meine Glückseligkeit Du giebst,

um immer mehr geben zu können. Alle Gaben, welche durchaus gut und vollkommen sind, müssen von dir, du Vater der Sonnen und Welten! herabs fommen. O! daß ich vor Menschen frieche und bettle, und zu deiner Güte so wenig findliches Zus trauen habe! Ich würde ein Bastart seyn, wenn ich meinen Eltern so faltsinnig begegnet wäre, als dir. Und was ist alle deine bisherige Liebe gegen diejenige, welche am Gerichtstage mir zurufen wird: Komm her, du Gesegneter! ererb das Reich, das dir bereitet ist von Unbeginn der Welt! Ja wann nun die Welt für mich eine Wasserblase ist; wann alle Monarchen der Erde zusammengenommen mir Feine