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Unterhaltungen mit Gott in den Morgenstunden auf jeden Tag des Jahres. 2
Entstehung
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Der 8te Julius.

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Groffer Gott! wer bin ich! Und doch fann ich vielleicht noch schwächer werden! Unglücksfile, Krankheiten und laster liegen gegen mich zu Felde. Je sichrer ich bin, desto leichter überrumpeln fie mich. Und gewöhnlich kleidet sich die Sünde in unfre Seibfarben, und mischt sich unvermerkt uns ter unsre Hausgenossen!- Noch eine Frage: wie viel und welche Sünden gedenk ich noch in meinem Leben zu begehen? Nehme ich abermals die vorhin erwehnten Krücken meiner Tugenden: Stand, blinde Uffekten oder zeitliche Absichten weg: so fällt der so stark scheinende Körper meiner Tugens den zusammen. Ich bin und bleibe in diesem{ e= ben ein Kind. Grosse Weisheit und übermensche liche Tugend fodert mein himmlischer Vater zwar nicht: nur Faulheit und Bosheit machen mich feia ner Liebe und meiner fünftigen Bestimmung uns fähig. Und wenn ich es noch so gut meine, wie viele Zeit verspiel und verschlaf ich nicht!- Bon diesen Betrachtungen sehe ich auf dich, mein Ers löser und finde dich für mich nothwendig und ime mer liebenswürdiger. Vergib mir alle meine Tus genden, denn keine fann deinen Gottesblick ers tragen; deck sie also sämtlich zu mit deinem Bere dienste! Umen.

Der ste Julius.

Vater!

Himmel und Erde nennen dich Herr: wir Erldßten aber haben unser Erbtheil bes dir. Unser aller Vater! o! waren wir doch eins müthig deine Kinder! dagegen ist aller Rang der Erde nichts. Noch dürfen wir dich Vater nennen: 32 in

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