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Der zte Julius.
bacht unterbråchen, wenn sie jezt zu mir hereins tráten! Stand, Erziehung, Temperament, zeitlis ches Interesse, brausende Leidenschaften und Ges legenheiten: o! wenn ich die alle wegrechne, was bleibet von meinen Riesentugenden übrig? Aber Sie sind doch höchstens nur entfernte Hülfsmittel zur Tugend und nicht Tugend selbst! Diese muß ihren Sik im Verstande und Herzen haben, und wird sie nicht von der Liebe zu Gott und dem Nächsten geboren: so ist sie ein Fündling, den ich aufnahm, weil er mir auf die Schwelle geleget ward. Uc! wahre Tugenden sehen meistens Geburtschmerzen voraus! Bei lautem Gelächter gebieret nur die Sünde, und ich muß ein hohes Alter im Christenthum erreicht haben, wenn mic alle Tugenden gemüthlich werden sollen.
Gefeßt also, daß ich heute, meiner Art zu rechnen nach eine grosse Tugend ausübte: wo bleibt sie, wenn ich folgende Fragen beantworten foll: würde ich diese schöne Handlung begangen haben, wenn ich zwanzig Jahr jünger oder älter war? Ist sie etwa blos eine Folge dessen, was mir Gewohnheit, Mode und Wohlstand einflöße ten? Bei hizigerm oder frostigerm Naturel; auf dem Thron oder am Bettelstabe: was that ich da? Würde ich zu allen Stunden des Tages, oder auch Frant, zu dieser Tugend aufgelegt gewesen fenn? Mischten sich nicht Affekten zu sehr mit unter? 3. E. Ehrgeiz, feine Rachgier, Weichherzigkeit und wohlausstudirtes Interesse? Würde ich diese Tugend wohl aufgesucht haben, wenn sie sich mir nicht aufgedrungen bätte?
Groffer


