Das höchste Ziel alles ihres Denkens, Strebens und Menschenglück Licht und Recht,
Wirkens, war
durch sittliche Veredlung,- sittliche Veredlung durch kindlich frommen Glauben, der, klår und warm, Geist und Gemüth zugleich befriedigte.
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XII
Des Menschen Vernunft war ihr heilig über alles, galt ihr für die höchste Gottesgabe, für den Funken aus dem Lichtmeere der Gottheit, für den Abglanz göttlicher Herrlichkeit, aber dem kalten Vernünfteln war sie niemals hold. Die höchste und reinste Vernunft war ihr in Jeſu erschienen, daher stand ihr hoch über allen großartigen Gestalten, welche durch diese Welt gegangen sind, der erhabene Erlöser der Menschheit. Sie hing mit der heißesten Verehrung und Liebe ihm an, bekannte sich mit ganzer Seele zu den einfachen Wahrheiten seines Evangeliums, und es waren ihr selige Stunden, wo sie alle die Ihrigen um sich her zur stillen Feier des christlichen Bundesmahles vereinte. Ihre frommen Lieder haben den himmlischen Meister besungen, und haben Tausende und aber Tausende zum Himmel emporgetragen, so oft sie in christlichen Tempeln erklangen. Wer ist ein Christ? Die große Frage hatte sie Jahre lang ernst bewegt in ihrem Herzen, und sie hatte sich es zur Aufgabe gestellet, die Antwort nicht durch Wort und Schrift allein, sondern auch durch That und Leben zu geben.
Diesem reichen Geiste stand ein Herz ohne Falsch ein Wohlwollen ohne Argwohn zur Seite. Wer Sinn für das Wahre und Gute und Schöne verrieth, und wer es mit den heiligsten Angelegenheiten der Menschheit redlich meinte, dem stand ihr Haus jederzeit of fen, einen andern Empfehlungsbrief bedurfte es nicht. Der Falschheit und Lüge aber war sie feind, immer nur kurze Zeit konnte es ihnen gelingen, sich an sie zu drången, bald durchschauete sie ihr klarer, durchdringender Blick;
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