zu meinem wichtigsten Geschäfte zu machen und daher mein ganzes Leben so einzurichten, daß, wann es dir gefällt, mich zur Ablegung meiner Rechenschaft vor deinen Richterthron zu rufen, ich zu jeder Zeit bereit fein möge, mit Freudigkeit, und in der gewiffen Erwartung deiner vers heißenen ewigen Gnadenbelohnungen, vor dir erscheinen zu können. Mit diesen Gesinnungen gehe ich denn getroft zur Ruhe und empfehle meinen Leib und Seele und alles, was ich habe, deiner väterlichen Aufsicht. Wache über mich, wenn ich in unbesorgter Ruhe schlafe, und zu meiner Beschüßung selbst nichts thun kann. Gedenke auch der Meinigen und aller derer, für die ich zu bitten schuldig bin. Wende Gefahr, Schreks ken und Unglücksfälle von ihnen ab und schenke mir und ihnen zur nó thigen Erholung einen fanften und gesunden Schlaf, Herr! auf dich traue ich. Laß deine Güte auch in dieser Nacht über uns groß sein. Und kommt denn einst die letzte Nacht
Von unsrer Prüfungszeit,
So führe uns durch deine Macht Bur sel'gen Ewigkeit. Amen.
Morgen- Gebet in Leiden und Schwachheiten.
Mein Gott und Vater! Ich erblicke wieder an diesem neuen Tage das Morgenlicht, und bin ich gleich nicht durch einen ruhigen Schlaf ers quickt worden, da Schmerzen, Sorgen, auch wol geheime Anliegen meis ner Seele die Störer desselben gewesen sind; so danke ich dir doch, daß du mir, obgleich unter manchen traurigen Empfindungen, noch das Les ben fristest und auch diesen Tag meinen Lebenstagen beilegen willst. Es bleibt dies immer eine annehmens- und dankenswerthe Wohlthat von dir, die mich in vieler Absicht vor dir demüthigt, und mich zu einem laus ten Preis deiner Güte auffordert. Nicht nur das Leben selber, das ein so theures Geschenk deiner Gnade ist, und das du mir zu Besorgung meiner Seelen Seligkeit verliehen hast, auch selbst die Leiden und Bekúm. merniffe, die mich auf meinem Lebenswege begleiten und mich nicht so viel Freuden genießen lassen, als wol von andern meiner Mitmenschen ges noffen werden, das sind alles Wohlthaten und Segnungen deiner Vater hand. Denn du suchest darunter mein Bestes, und willst mich bewegen, desto ernstlicher und sorgfältiger nach jener Welt zu trachten, wo keine traurige Abwechslung der Schicksale mehr statt hat, sondern ein unge stórter Friede uns umgeben und eine namenlose Seligkeit und erquicfen wird. Ach, Gott! so gieb denn, daß ich diesen neuen Lebenstag, den du niir geschenkt haft, zu einem so würdigen Zweck gewissenhaft anwende. Laß mich an demselben so viel es meine Kräfte erlauben, in meinem Berufe zu wirken suchen und fleißig sein. Auch ein weniges, wenn es mit wahrer Treue und in guter Absicht verrichtet wird, ist dir angenehm. Sollten mich aber Schwachheit, Unruhe des Gemüths oder wol gar Krankheit verhindern, in meinem Berufe recht wirksam zu sein; so rech ne mir den guten Willen für die That an, und heilige mein Gemüth, daß ich beim Mangel der leiblichen Kräfte an meiner Seele desto stärker wer


