de, und mich defto fleißiger mit dir, mit deinem göttlichen Worte und mit allem dem beschäftige, was die Verbesserung meiner Seele und meine geistige und ewige Wohlfahrt befördern kann. Laß mich im Stillen oft an dich denken, oft stille Seusser zu dir schicken, und mich dadurch wider Ungeduld und wider alle die andern verderblichen Leidenschaften zu bewahren suchen, die so leicht das Gemüth unter der Empfindung der Leiden einnehmen, und allerlei sündliche Unordnungen in demselben anrichten. Erhalte mich im Glauben und wahrer Frömmigkeit. Laß mich immer auf meinen Heiland sehen, und dem Muster der Geduld, der Ges laffenheit und der Ergebung in deinen göttlichen Willen nachahmen, wo mit er mir in seinen mannigfaltigen Leiden vorangegangen ist. Der Ausgang meiner Leiden wird alsdann gewiß für mich gut und selig sein. Sollte es dir auch nicht gefallen, mich schon hier das volle Maaß deiner göttlichen Tröstungen schmecken zu lassen, so wirst du mich doch gewiß desto herrlicher dort trösten, wo du meine Leiden in Freuden umschaffen und mir die ungestörte und unvergångliche Seligkeit schenken wirst, die du denen verheißen hast, die dir in Leiden und Freuden, in guten und bösen Tagen anhangen und unveränderlich getreu bleiben. Amen.
Abend- Gebet in Leiden und Schwachheiten. Treuer Gott! dieser Tag, welchen ich durch deine Gnade abermals zurückgelegt habe, ist mir zwar nicht unter dem Genuß jener Freuden ver floffen, mit welchen du so viele andre Tage meines Lebens bezeichnet haft; Leiden und Schwachheiten sind vielmehr mein Theil gewesen, und ich habe. manche Bekümmerniffe empfinden müssen, die meine Freude gestórt has ben. Aber auch unter diesen Leiden ist doch deine Güte noch immer gegen mich groß gewesen. Denn welche väterliche Nachsicht hast du nicht gegen mich bewiesen, wenn ich mir gleich manche Leiden selber verursachte, oder bei solchen Leiden, die du aus weisen Ursachen über mich verhängtest, etwa ungeduldig wurde, und mich in deine väterliche Fügungen nicht recht schicken wollte. Wie leicht hätte ich nicht in meinen Bekümmernissen muchloß werden, oder wol går in eine so große Schwachheit verfallen können, daß ich aller Kräfte zu meinen Geschäften wäre beraubt wor den, wenn du nicht meine Leiden gemäßiget, oder unter der sehr schwer drückenden Bürde derselben mich im Verborgenen gestärkt hätteft. Für alle diese Güte sei deinem großen Namen der herzlichste Dank gesagt. Ach, ich bitte dich, sei doch nun auch ferner mit mir und verlaß mich nach deiner Gnade nicht. Trage mich vielmehr um Jefu Christi willen, bet meiner großen Schwachheit mit einer väterlichen Geduld, und unterstütze mich mit dem Trost deines Geistes, so lange ich nach deinem Willen auf dem Dornenpfade der Leiden noch wandeln muß. Erwecke mich, daß ich künftig in einem kindlichen Vertrauen zu dir recht fest werde, und überzeuge mich zu dem Ende immer lebendiger, daß auch Leiden und Trübsale, wenn wir sie anders mit einer christlichen Geduld tragen, unter deiner väterlichen Leitung unser Bestes befördern, und wo 32


