Gebete und Betrachtungen
Aber die wahren Güter kann uns nichts rauben. Wenn wir, nach der Lehre unsers HErrn und Heilandes, am ersten nach dem Reich Gottes getrachtet haben, wenn uns an dem Wohlgefallen Gottes mehr lag, als an dem Beyfall der ganzen Welt, wenn wir vielmehr auf das Unsichtbare und Unvergångliche, als auf das Sichtbare und Bergängliche sahen; so können wir durch den Tod nichts verlieren, was uns in dem Leben nach dem Tode noch brauchbar wäre. Wir lassen nur auf der Erde zurück, was der Erde angehört, und lassen es willig zurück, weil wir unser Herz nicht daran gehängt hatten. Aber das, was wir für unsern Geist und unser Herz gesammelt haben, das begleitet uns hinüber, und macht dort unsre Seligkeit, wie es uns hier schon den Vorschmack davon gab.
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Freylich zerreißt der Tod die engsten Bande. Auch heute sehen wir solche Bande zerreißen. Wir weinen uns ferm Geliebten( Vater, Gattin, Bruder, Schwester, Sohn, Tochter, 2c.) nach. Es ist eine Lücke in dem angenehmen Kreise, in dem wir oft so froh geworden sind. Wir werden nun den Borangegangenen nicht mehr sehen, nicht mehr mit ihm sprechen, nicht mehr unsre Leiden und Freuden mit ihm theilen. Auch das letzte, was uns von ihm übrig geblieben war, hat man nun zur Gruft getragen, wo Staub zu Staube, Asche zu Asche werden, und nach wenigen Jahren keine Spur mehr von der irdischen Hülle übrig seyn wird, welche ein zur Unsterblichkeit erschaffner Geist bewohnt hat. Dieß macht uns mit Recht traurig, wenn wir die wirks lich geliebt haben, die vor uns hingegangen sind. ( Nr. 390. V. 6. 7. 8.:)
Trüb' ist der Trennung Stunde; Tief ist des Herzens Wunde,
Das treu geliebt und fest, Wenn alles nun verschwindet,
Was Seel' an Seele bindet,
Wenn nun der Freund den Freund verläßt.
Doch


