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Gebete und Betrachtungen
2.
Gebet ben anhaltender Krankheit. Noch währen meine Leiden, o Gott! Noch empfinde ich sie in ihrer ganzen Stärke. Noch ist der Kampf nicht ausgekämpft, wodurch ich ins höhere, bessere Leben hindurch dringen soll! Ach, der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach! Ich erkenne meine Pflicht; ich bin bereit, sie zu erfüllen; ich bete dich, meinen Schöpfer und Vater, mit Unterwerfung an. Aber oft reget sich heimliche Ungeduld in mir. Oft will mein Muth sinken und mein Vertrauen auf dich wanken. Gott, stärke mich Schwachen! Hilf du mir alles überwinden und bis an das Ende beharren!
Du kennest ja das Maaß meiner Kräfte. Du wirst mir nicht mehr zu leiden auflegen, als ich tragen kann! Noch ist es um wenige mühsame Schritte zu thun, so stehe ich am Ziele! Und auch diese Schritte wirst du mir gewiß erleichtern, du, der du mich von dem ersten Tritte an, den ich auf dem Pfade des Lebens that, bis jetzt so vaterlich geleitet und geführet hast! Ja, du weißt es am besten, zu welcher Stunde und auf welche Art und Weise ich diesen Zustand mit dem fünftigen verwechseln soll. Und wann deine Stunde kommt, dann fommt Errettung und Heil mit ihr! In deine Arme werfe ich mich als in die Arme des weißesten, gütigsten Baters! Du wirst dein Kind, an dem du dich schon so gnädig und huldreich erwiesen hast, gewiß nicht verlassen! Bald, bald wirst du es allem Leiden, aller Schwachheit entreißen und in die Wohnungen der Ruhe und des Friedens einführen!
Ich will auf Jesum, meinen Vorgånger, sehen. In seinen Gesinnungen will ich mich stärken. Wie ges duldig, wie standhaft hielt er nicht aus bis zum Tode, bis zum Tode am Kreuze! Wie ganz ohne alles Widersprechen, wie findlich unterwarf er sich nicht deinem Willen! Wie unbeweglich war nicht sein Vertrauen auf dich, seinen himmlischen Bater! Wie ruhig, wie hoff nungsvoll sah er nicht allen Schrecknisfen des Todes und des Grabes entgegen! Ja, ich will ihm nachfolgen. Er hat


