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che mir die Feier des heutigen Tages an Seinem Grabe bringen soll. Die Unruhe und Zerstreuung meines Herzens, das thörichte Sorgen, die eitle Marthasgeschäfftigkeit, das ists ja, was mir so oft meine Sabbatsruhe stört, meine Gnadenstunden verkürzt, meinen Heiland mir entfremdet, das Nuhen zu Seinen Füßen, das Horchen auf Seine Worte, mein bestes Theil mir verkümmert, mein Lieben ermattet und meinen Glauben beunruhigt und trübet. Darum, o Jesu, laß mich nur stille bleiben, als säß ich immer an Deinem Grabe, und laß das mein Lied sein:
Meine Seele senket sich Hin in Gottes Herz und Hände, Und erwartet ruhiglich Seiner Wege Ziel und Ende. Was die Ungeduld erregt, Ist in Christi Grab gelegt.
Mit freudigem Danke blicke ich auf Nicodemus und Joseph von Arimathia. I wohl euch, daß ihr Muth hattet, euren Reichthum und hohe Stellung anzuwenden, um dies letzte Liebeswerk ohne Furcht und Rücksicht meinem Heilande zu erweisen. Was hilfts auch, der Welt zu verhehlen, daß man Jesum liebt; sie wird es doch bald merken und dann gewiß mit Haß und bösem Leumund nicht zögern. Da vor schützt kein Rang noch Reichthum, und jemehr man sich gehütet vor Christi Schmach, desto schwerer ists, sie dennoch tragen zu müssen. Drum frisch hervor, verborgner Freund des Meisters! Du möchtest sonst gar Schaden nehmen an deiner Seele, wolltest du nur heimlich zu Jesu schleichen; denn nicht bekennen ist meistens nicht viel bes ser, als verleugnen, und was es mit dem Ver


