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Die heilige Passion : gefeiert in Liedern, Betrachtungen und Gebeten / hrsg. von dem Christlichen Vereine im Nördlichen Deutschland
Entstehung
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Joh. 13, 5-10.

,, Darnach goß Er Wasser in ein Becken, hob an den Jüngern die Füße zu waschen, und trocknete fie mit dem Schurz, damit Er umgürtet war. Da kam Er zu Simon Petro; und derselbige sprach zu Ihm: Herr solltest Du mir meine Füße waschen! Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was Ich thue, weißt du jetzt nicht; du wirst es aber hernach erfahren. Da sprach Petrus zu Ihm: Nimmermehr sollst Du mir die Füße waschen. Jesus antwortete ihm: Werde Ich dich nicht waschen, so hast du kein Theil mit Mir. Spricht zu Ihm Simon Petrus: Herr nicht die Füße allein, son­dern auch die Hände und das Haupt. Spricht Jesus zu ihm: Wer gewaschen ist, der darf nicht, denn die Füße waschen, sondern er ist rein. Und ihr seid rein."

,, Lernet von mir, denn Ich bin sanftmüthig und von Herzen demüthig" spricht der Herr. Er sagt's nicht bloß; Er fügt zu der Lehre das Erem­pel, zu dem Worte die That. Der Herr der Herrn, dem alle Gewalt gegeben ist ini Himmel und auf Erden, und den alle Engel Gottes anbeten, stehet da in Knechtsgestalt und verrichtet den niedrigsten Knechtsdienst; Er wäscht armen Sündern die Füße. ,, Ein Beispiel habe Ich euch gegeben, daß ihr thut, wie Ich euch gethan habe" ermahnt der Demüthig­ste unter allen Menschenkindern. Aber hier ist mehr als ein Beispiel beispielloser Demuth und Herzens­hingebung; hier ist ein tiefes, seliges Geheimniß, hier ist abgebildet die Reinigung von unsern Sün den in dem Blute Christi. Auch zu Seinem Petrus kommt der Herr, ihm zu thun, wie den Andern. ,, Herr, solltest Du meine Füße waschen!" ruft der ungestüme, vorschnelle Jünger und will es picht dulden. Ja, du eigenwilliges, thörichtes Herz

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