Druckschrift 
Erbauliche Lieder-Sammlung zum Gottesdienstlichen Gebrauch in den Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Gemeinen in Pennsylvanien und den benachbarten Staaten / gesammelt, eingerichtet und zum Druck befördert durch das hiesige Deutsche Ev.-Lutherische Ministerium
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Gebet eines Kranken.

Gebet eines Kranken.

Vergebung, Herr, ich mur begehr,

Vergebung durch dein blut von meinen fünden: Die schuld ist groß, Herr sprich ihn los Den fünder, laß ihn freye gnade finden.

507

Groffer, heiliger Gott, hier liege ich in grosser schwachheit und un­

ter mancherlen schmerzen des leibes; doch ich wollte diese gerne tragen, wenn nicht etwas in mir, in meinem herzen sich regte, das mich) vollkommen elend macht. Meine feele ist unruhig in mir, ich weiß, daß krankheiten sehr häufig vorboten des todes find, und viel­leicht ist auch diese meine schwachheit eine anzeige meines nahen en­des, und dieser gedanke, mein Gott, macht mich verlegen, tod und grab, o wie furchtbar! gericht und ewigkeit! mein Erbarmer! meine gedanken schwinden und ich weiß nicht, was ich machen soll; du ga= best mir meine verfloßnen tage mich auf diese grosſen auftritte zuzue bereiten, aber mein gewissen flagt mich an, ich habe meine gnaden= tage so jugebracht, daß mich furcht und schrecken mit recht überfällt, wenn ich einen blick in dieselbe zurück thun will. O der verfloßnen zeit! wo send ihr, ihr verlornen tage? ihr macht, daß ich voll unruh) frage: was soll ich thun?

Wie es mit meiner gnadenzeit ist, so ist es auch mit meinen kräf: ten, feel und leib hätten dir dienen sollen, aber leider, ich habe da mit meinen bösen begierden, der welt, ja dem fatan selber gedienet: meine jugend- träfte, ach mein Erbarmer! wie übel, wie leichtsinnig und gottles habe ich die verschwendet! du gabeft mir dein wort, id) wurde durch dasselbe von zeit zu zeit zur buffe gerufen: oft versäumte ich die predigt deines Evangeliumis aus blosser trägheit und gleich: gültigkeit und wenn ich sie auch zu anderer zeit hörte, so wurde ich derselben doch nicht gehorsam; ich schob meine buffe auf von einem tage zum andern und nun hat mich krankheit mitten in meiner un bußfertigkeit ergriffen, und, ach ich habe nicht allein mein eigen heil versäumet, nein ich bin noch an dem verderben mancher andern men­schen schuld, mein benspiel hat meine verwandten und bekannten nicht besser, nein es hat sie schlechter gemacht. Wo sind die frommen ermahnungen, die ich ihnen hätte ertheilen sollen: wo ist die recht­schaffenheit des wandels darin ich ihnen hätte vorleuchten sollen: wo ist das brünstige, ringende gebet, das ich um ihre rettung vor dem gnadenthron in meinem fämmerlein hätte bringen sollen. Ich elen­der, ich betete ja nicht für mich selbst, geschweige für andere. Aut alle meine von mir verwahrlofete verwandten; o die angst meines beriens ist groß! betet für mich, ob mir der gnadenvolle Gott, noch) busſe, wahre buffe geben mögte. Ich komme in der letzten shinde ich wende mich zu dir; ich bitte o Gott, durch Christi blut, machs doch mit meinem ende gut! ohne bekehrung und veränderung des her: zens fann ich nicht selig werden: schaffe du doch daher ein neues herz in mir; o Gett hilf doch, daß ich nicht nachlaffe zu seufzen und zu ringen, so lange noch ein othem in mir ist. Denn es ist nicht so leicht ein Christe fenn als heisſen; mein Gott, um Jefu willen, laß mich nicht sterben, bis ich die versichrung im Herzen habe, daß du mich durch das blut deines Sohnes von allen meinen fünden gereiz