Druckschrift 
Erbauliche Lieder-Sammlung zum Gottesdienstlichen Gebrauch in den Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Gemeinen in Pennsylvanien und den benachbarten Staaten / gesammelt, eingerichtet und zum Druck befördert durch das hiesige Deutsche Ev.-Lutherische Ministerium
Entstehung
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Seufzer eines Sterbenden, z.

land denke ich mit freuden- thränen an die zeit, da du meiner schreckt lichen angst ein ende machtest, da du meine unerträgliche bürde von meinen schultern nahmest, da du mir ein sen getrost mein sohn, deine fünden sind dir vergeben, zuriefest. Ich schmeckte die kraft deines to: des, ich fühlte die macht deiner auferstehung, ich verstand das wort in seiner vollen kraft: wo vergebung der fünden ist, da ist auch leben und feligkeit. Ich konnte dir ein williges opfer bringen; alles, alles übergab ich dir, dein wort wurde mir nun ein aufgeschlossenes buch, du warest mein hirte, du weidetest mich, du schenktest mir voll ein. Ich nahm gnade um gnade aus deiner gnaden- fülle. Insonderheit mein liebster Heiland, hast du mich oft an deinem tische erquicket, da bin ich ein leib durch den genuß deines leibes und blutes mit dir ge: worden, da hast du mich oft so auf meiner pilgrimschaft gestärket, daß ich hüpfen und fröhlich seyn konnte. Da fand ich den vorhof des himmels, du warest ben mir; je mehr ich mich in die betrachtung Jeiner freyen und unverdienten gnade vertiefe, desto mehr muß ich mich schämen, daß ich dich nicht brünstiger geliebet, nicht aufrichtiger gemeint und herzlicher gelobet habe. Ich sehe mit dem äuſsersten schmerzen meiner feele, so viele auftritte meines lebens, da ich ges strauchelt, ja wohl gar gefallen bin, da ich dich mein bester Gott be trübet habe; das bekümmert mich, ich bitte um vergebung, wasche mich wohl auch von dieser missethat und reinige mich von meinen. fünden. Ich nehme meine zuflucht zu deinem blute Herr Jesu, das ist es allein, so mich beruhigen kann. Ich will nicht anders, auch jest nicht anders als ein verdammnißwürdiger fünder aus gnaden gerettet werden. Der satan schiesset auch jetzt noch seine feurige pfeile auf mich ab, mein gewissen verklagt mich, das geseß verdammet mich; aber mein Jesu, du bist meine juflucht, du sprichst mich los, wohl mir daß du mein Heiland bist, in deine hände habe ich mich überge: ben, ich bin dein frantes, dein verwundetes, dein verfolgtes aber doch auch dein glücklich wieder gefundenes find. Ich bin getrost, mein glaube ist gestärket, in der kraft dieses glaubens übergebe ich dir die ganze welt; deine Christenheit, insonderheit deine finder; werde ihnen immer theurer und hilf, daß das kleine häuflein größer und brünstiger werde: diejenigen, welche jetzt zum theil mit naſſen augen um mein lager stehen, bekannte und verwandte die empfehle ich besonders deiner hirten- treue; die dich noch nicht kennen, denen gieb dich zu erkennen, die dich kennen verbinde immer näher mit dit, laß es doch an keinem dort zu deiner rechten fehlen. Ich fühle schwä cher, Herr Jesu, meine auflösung ist nahe, in deine hände befehle ich meiren geist.

Mein auge wird nun dunkle nacht, Kaum hör ich laute worte, Des nahen todes letzte macht Bringt mich zur himmels- pforte; O welch ein anblick füffer luft So wie sie mir noch nie bewust, Heil mir ich bin hinüber.