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Morgen- Undacht, Freytags.
thun und also auch nicht ohne dich beten kann, so wende ich mich zu vir und bitte: Ach lehre mich beten, wie du dort deine jünger beten lehrtest; gieb mir ein recht warmes und brünstiges herz: hilf daß ich meine große untüchtigkeit zu allen dir wohlgefälligen dingen mit wehmuth erkenne, und mich deßwegen vor dir beuge, insonderheit laß mich mein laues wesen ben meinem gebete lebhaft empfinden, und bewege du selbst mein herz jest und so oft ich bete so, daß wenn ich auch öfters ohne empfindung anfangen sollte zu beten, daß ich dod) allezeit mit der feligsten bewegung meiner ganzen seele von meinem gebete aufstehen möge.
Frinnre mich daher allezeit an deine so väterliche verheissungen, die du wegen der erhörung des gebets gegeben haft, hilf, daß ich mit dir wie ein Jacob ringen möge, daß ich nie aufhöre zu beten, bis h einen segen von dir errungen habe, stelle mir deine große liebe leb: haft vor augen, welche du zu allen menschen und insonderheit zu mit trägest; hilf, daß ich immer unter dem lebhaftesten gefühle meiner großen bedürfnisse und ganzlichen unvermögens bete; hilf aber auch daß ich im wahren glauben und festen versicherung von meiner ge wissen erhörung beten möge.
Laß mich gnade finden, daß ich auch jetzo mit einem zerflossenen herzen vor dir liege; thue du mir selbst das Herz auf, daß es dich mit deiner ganzen gnadenfülle fasse: du bist ja doch mein Gott und mein theil. So wie ich mich einmal zu deinem dienste gewidmet habe, so widme ich mich hiemit zu demselben wieder. Der fatan mag toben, die welt mag lachen, der alte mensch mag sich sträuben: mein Gott, ich bleibe ben dem vorsatze und erneure ihn vor dir: Ich bin der deinige, ich will nur dir dienen, hier sind alle träfte der seelen und des leibes: Bater, verschmähe dieses unvollte mmene opfer nicht, es ist alles was ich habe, es ist dein, brauche es wie du willst; je mehr du mich brauchest, desto mehr werde ich brauchbar werden. Es foll meines Herzens wonne und freude seyn, wenn ich bemerke daß ich dein werkzeug seyn soll. Ich gebe nun wieder an meine geschäfte, und da tröstet mich dein wort, Herr Jesu, wieder: Ohne mich könnet ihr nichts thun, ich will auch meine äusseren geschäfte ohne dich nicht thun, ich nehme dich mit an alle meine arbeit; sey beständig mit deinem geiste meiner feelen nahe; Ich gehe in tausend versuchungen und gefahren mit diesem tage hinein, du hast mir aber den befehl gegeben, ich soll mich nicht fürchten; du willst ja mein Gott fenn. Ach hilf daß ich mit einem beständigen ſeufzen wie ein armer bettlet vor deiner thüre, auch mitten unter aller arbeit, bleibe, stärke mid), hilf den meinigen, ja allen menschen, und gieb gnade, daß ich bey dent schlusse dieses tages mit loben und danken vor dir erscheinen möge. Ach ich hätte noch um vieles zu beten, aber du fennest meire bedürfniffe, mein Gott, hilf mir nach allen meinen angelegenheiten, und höre mein flehen um Christi willen, Amen.
Tu prüfest mich und kennst mein herz, Es fehnt sich treu zu seyn,
Doch siehest du auch meinen schmerz,
Daß es nicht völlig rein:
Mein Heil, dein blut macht alles gut,
Und heilet meinen geist;
Sieh! wie er sich so emsiglich Der eitelkeit entreißt.


