Druckschrift 
Erbauliche Lieder-Sammlung zum Gottesdienstlichen Gebrauch in den Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Gemeinen in Pennsylvanien und den benachbarten Staaten / gesammelt, eingerichtet und zum Druck befördert durch das hiesige Deutsche Ev.-Lutherische Ministerium
Entstehung
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Borrede.

nen nicht verhindern sondern befördern. Eeelen, denen es ein rechter Ernst um die ewige Seligkeit ist, finden noch immer hinreichende Sätz tigung in den profaischen göttlichen Wahrheiten der Heilsordnung von Buße, Glauben und Gottseligkeit, wie auch in den alten und neuern Evangelischen ungekünstelten Psalmen und geistlichen Liedern: bessere Nahrung als in manchen alten und neuen Gedichten, die se bunt wie ein Harlequin mit heidnischen Pfraßen verkleidet, und mit ausschweifenden Bildern einer verwilderten Phantasie so vermengt sind, daß man den verborgenen Kern oder Wurm nicht leicht errathen kan und an der Schaale hangen bleibet. Solche Gedichte, die nicht nach göttlicher Absicht gemacht werden, dienen gleichsamı nur verdor benen, müßigen und verleckerten Menschen, die keinen gefunden Appetit noch reinen Geschmack am Brod des Lebens haben.

Wir wünschen und bitten demnach mit dem einsichtsvollen Autor der bemeldeten Bueignungsschrift, daß die göttlich verliehene Dicht und Ton- Kunst durch Gottes gnädige Vorsehung, balde von allem schädlichen Mißbrauch gereiniget und nach ihrem eigentlichen Bweck auch in diesem Theil der Welt zur Erweiterung und Ehre des Reichs Jesu Christi angewendet werden möge! und erwägen gleichfalls 2. Auszugsweise, was erleuchtete öffentliche Lehrer in Deutschland in einer moralischen Wochenschrift von der Musik oder Ton- Kunst gründ lich gedacht und gemeinnüßig gemacht, nemlich, es heißt:

" Die achte Musik oder Ton- Kunst hat einen göttlichen Ursprung, Gott der Herr selbst hat sie aus dem Sit seiner Herrlichkeit herunter gefandt um den Menschen das mühselige Leben zu verfüssen. Der gütigste Schöpfer hat die angenehmste Jahrszeit mit allerley unschul­digen Reißen versehen, hat die Sänger in die Luft und schattenreiche Wälder gesetzt, durch unser Ohr das Herz zu ergößen und zu seinem Lobe zu ermuntern. In dem heiligen und weltlichen Alterthum findet man, daß die Vokal und Instrumental Musit von ihrem ersten Anfang her den erhabensten, würdigst und wichtigsten Vorfällen ge­heiligt gewesen. Daher war sie schon am vollkommensten vor der Hütte des Etifts und in dem Salomonischen Tempel zu Jerusalem anzutreffen. Und weil man merkte, daß in derselben eine göttliche Macht verborgen lag, mit welcher sie auf das Herz der Buhörer wirkte, so wurde sie zwar vorzüglich ben Gottesdienstlichen Handluns gen gebraucht, wo das menschliche Herz was empfinden solte, aber man bediente sich auch derselben bey Etiftungen feyerlicher Bündnisse und Verträge zwischen Völkerschaften. Was man dem Gedächtniß einprägen wolte, das brachten die Dichter in Lieder, und durch das melodische Singen ward es tiefer eingedrückt. Die Dichtkunst bahnte den Weg zu dem Gesange, indem sie die Worte aussuchte, der Rede durch das Sylben- Maaß eine Aehnlichkeit beylegte und sie mit rei Benden Abbildungen ausschmückte. Hierzu gefelleten die Künstler du zitternden Saiten und die lautschallenden Pfeifen, um die Leidenschaft und den Affect der Seele auszudrücken, und sie andern einzudrücken, um Freude oder Betrübniß, Wehmuth oder eine ernsthafte Uleberle gung und herzhaften Muth allgemein zu machen. Die ächte Dicht und Ton- Kunst hat also eine grosse Etärke über das menschliche Ges müth und dienet zur Rührung und Erweckung derer Menschen, die mit einem musikalischen Gehör geboren sind. Durch die Dicht- und Tons Kunst kan man bis ins Innerste des natürlichen Herzens dringen