Morgen- und Abendandachten.
251
les fiebst, so gieb mir so zu leben, daß sich dein Vaterblick nicht über mich betrübt. Verleihe deine Kraft, mir selbsten abzusterben, und für den alten Mensch den neuen anzuziehn; ja, was die Welt sonst liebt zu ihrem Selbstverderben, das laß mich alles zeit, wie vor der Schlange fliehn. Lind fuchet Satans Lift von dir, Herr, mich zu trennen, so starke du mich selbst zu guter Ritterschaft; und reizet mich die Welt, den Sünden nachzurennen, so stärke mich zum Kampf, durch deines Wortes Kraft. Gieb beydes, Rath und That, zum Sinnen und Beginnen, was ich in Chrifto thu, sey alles wohl gethan; und laß in dieser Welt mich nur so viel gewinnen, daß ich den Meinigen die Nothdurft reichen kann. Dein Segen machet reich, nicht aber unsre Müh, doch giebst du keinem was, der müßig gehen will; so schaff, daß meine Hand die Arbeit niemals fliehe, und fülle fie alsdann mit wenig oder viel. Kehrst du mit Trübsal ein, so mach es nur erträglich, das ist kein guter Tag, da man kein Kreuz nicht bat; dein süßer Trost macht mir die größte Noth behäglich, und alles Leid verschwindt, wenn Jesus zu mir naht. Die schwere Kreuzeslast macht doch ein leicht Gemüthe, das Herze hebet fich nur drunter mehr empor, und endlich schei=
net


