Betrachtung am Freitage.
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um gegenseitig ihre Peiniger zu seyn. Wenn du hingegen dein Heil wirkest, wird dein Leib ganz schön, keinem Leiden mehr unterworfen und glänzend auferstehen, und du wirst an Seele und Leib des glückseligen Lebens gewürdigt werden. So wird das Schauspiel dieser Welt endigen. Ein Ende hat alsdann die Größe, die Lust, die Pracht dieser Erde; Alles hat ein Ende. Nur zwei Ewigkeiten bleiben, eine Ewigkeit der Glorie und eine Ewigkeit der Strafe; die eine glückselig, die andere unselig; die eine voll Freuden, die andere voll Qualen; im Himmel die Gerechten, die Sünder in der Hölle. Weh über den Armen, der die Welt geliebt und für elende Genüsse dieser Erde Alles verloren hat, Seele und Leib, Himmel und Gott.
3. Betrachte den ewigen Richterspruch.
Christus der Richter wird Sich gegen die Verworfenen wenden und sprechen: Habt ihr geendigt, ihr Undankbaren, habt ihr geendigt? Jegt ist meine Stunde gekommen, die Stunde der Wahrheit und der Gerechtigkeit, die Stunde der Verwerfung und der Rache. Auf, ihr Lasterhaften, ihr habt die Verdammung geliebt, sie komme über euch; seyd verflucht in der Zeit, verflucht in der Ewigkeit. Entweichet aus meinem Angesichte; alles Guten beraubt, mit allen Strafen belastet geht in das ewige Feuer. Hinweg von mir, ihr Vermaledeiten, in das ewige Feuer!" Matth. 25, 41. Dann wird sich Jesus zu den Auserwählten wenden und sprechen: Kommet ihr, meine geliebten Kinder, kommet das Reich der Himmel zu besitzen, das euch bereitet ist. Kommet, nicht mehr um mit dem Kreuze Mir nachzufolgen, sondern um die Krone mit Mir zu tragen. Kommet, die Erben meiner Schätze, die Gefährten meines Ruhmes zu seyn; kommet, meine Barmherzigkeit zu preisen in Ewigkeit. Kommet aus der Verbannung in das Vaterland, kommt vom Elend zur Freude, kommt vom Weinen zur Wonne, kommt von den Qualen zur ewigen Ruhe, kommet ihr Gebenedeite meines Vaters, befizet das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!" O mein Jesus, auch ich hoffe einer von jenen Gebenedeiten zu seyn. Ich liebe Dich über Alles, segne mich von dieser Stunde. Segne auch du mich, süßeste Mutter Maria.
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Betrachtung am Freitage*). Von der Hölle.
1. Es gibt einen Ort, wo die von Gott Verworfenen und für immer von Ihm Getrennten ewige, unaussprechliche Peinen leiden, und diese Peinen sind doppelter Art: die Pein wegen des Verlustes Gottes und die Peinen der Sinne. Dieß sind Glaubenssäße. Daß das Feuer, womit sie gepeinigt werden, ein wahres und eigentliches Feuer sey, ist die gemeine Meinung der heil. Väter und der theologischen Schulen. Die übrigen Beinen der Sinne werden von denselben aus den Aussprüchen der H. Schrift verschieden zusammengestellt. Ewige Nacht und Finsterniß und die Schatten des Todes erfüllen diesen Kerker der göttlichen Nache, in welchen die Seelen, und nach dem jüngsten Tage
*) Die Betrachtung am Freitage und Samstage sind aus den geistlichen Uebungen" des Pater von Smetana aus der Vers. des allerh. Erlösers.


