Betrachtung am Donnerstage.
Verachtung des göttlichen Gebotes, in der Beichte verschwiegene Sünden, entwendetes und nicht ersetztes Gut auf sich habe. O ich Elender, wird der Sterbende sprechen, in wenig Augenblicken hab ich vor Gott zu erscheinen, und wer weiß, welcher Richterspruch mich treffen wird? Wo werde ich hingelangen, in den Himmel oder in die Hölle? Werde ich frohlocken mit den Engeln, oder brennen mit den Verdammten? Werde ich ein Sohn Gottes, oder ein Sklave des Teufels seyn? Bald, wehe mir, werde ich es wissen, und wo ich einkehren werde, da werde ich in Ewigkeit bleiben. Ach, in wenigen Stunden, in wenigen Augenblicken, was wird mit mir vorgehen? Was wird aus mir werden, wenn ich jenes ergerniß nicht wieder gut mache? wenn ich jenes entwendete Gut, jenen guten Namen nicht ersetze? wenn ich meinem Feinde nicht von Herzen verzeihe? wenn ich nicht eine gültige Beichte verrichte? Dann wirst du tausendmal den Tag verabscheuen, an dem du gesündigt, und jene Lust und jene Rache verfluchen, woran du dich geweidet hast: aber zu spät und ohne Nugen; denn du wirst dieses blos aus Furcht vor der Strafe und ohne Liebe Gottes thun. Ach! Herr, siehe, von diesem Augenblicke an bekehre ich mich zu Dir, ich will den Tod nicht abwarten; von jegt an liebe ich Dich, und umfange Dich und will in deinen Armen sterben. Maria, meine Mutter, breite in meiner Todesstunde deinen Mantel über mich aus und steh mir bei in meiner lezten Noth.
Betrachtung am Donnerstage. Vom Gerichte.
1. Betrachte, daß die Seele, sobald sie vom Leibe scheidet, vor Gottes Richterstuhl geführt wird um gerichtet zu werden. Dein Richter ist der allmächtige, von dir beleidigte und auf's höchste erzürnte Gott; deine Ankläger sind die Teufel, deine Feinde; Gegenstand der Klage sind deine Sünden; der Urtheilsspruch ist unwiderruflich; die Strafe ist die Hölle. Du hast feine Gefährten, keine Verwandten, keine Freunde mehr; zwischen Gott und dir muß die Sache abgethan werden. Dann wirst du die Scheußlichkeit deiner Sünden einsehen, und sie nicht mehr entschuldigen können, wie jetzt. Du wirst gerichtet werden über deine Sünden, in Gedanken, in Worten, in Werken, durch Beistimmung, durch Unterlassung und durch Aergerniß; Alles muß auf der Wage der göttlichen Gerechtigkeit gewogen werden, und wirst du in einer Sache zu leicht befunden, so bist du verloren. Mein Jesus und mein Richter, verzeihe mir, bevor Du mich zum Gerichte rufest.
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2. Betrachte, wie die göttliche Gerechtigkeit alle Völker am legten der Tage richten wird, wann aller Gestorbenen Leiber auferstehen, um mit den Seelen zugleich entweder Lohn oder Strafe nach ihren Werken zu empfangen; dann bedenke, wenn du verloren gehst, wirst du denselben Leib wieder annehmen, und er wird der unglücklichen Seele zum Gefängniß dienen. Bei jenem bittern Wiedersehen wird die Seele dem Leibe fluchen, und der Leib wird die Seele verwünschen; so werden Seele und Leib, die sich jetzt in der Sucht nach unerlaubten Lüsten verstehen, nach dem Tode sich vereinigen müssen,


