Druckschrift 
Himmlisches Palmgärtlein : katholisches Gebet- und Erbauungsbuch / von dem ehrwürdigen Priester Wilhelm Nakatenus aus der Ges. Jesu [...] verfaßt. Neu bearb. und mit verschiedenen Zusätzen vermehrt durch Joseph Laurent. Die darin enthaltenen Lieder größtentheils übersetzt und bearb. von Friedrich Schlosser
Entstehung
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Betrachtung am Mittwoch.

der Morgen hat sie todt gefunden. Kann dir das nicht auch widerfahren? So Viele, die eines plößlichen Todes gestorben sind, dachten nicht so zu ster­ben? aber sie sind so hingeschieden, und wenn sie in der Todsünde waren, wo sind sie jetzt? und wo werden sie die ganze Ewigkeit hindurch seyn? Doch sey es, wo es sey, so viel ist gewiß, daß eine Zeit kommt, wo es für dich Nacht wird und nicht mehr Tag, oder es wird Tag für dich und du wirst die Nacht nicht sehen. Ich komme wie ein Dieb, unverhofft und heim­lich, sagt Jesus. Beitig erinnert dich dein guter Herr daran, weil Er dein Heil liebt. Folge deinem Gott, benutze die Mahnung, bereite dich, gut zu sterben, bevor der Tod kommt. Denn alsdann ist es nicht Zeit sich vorzu­bereiten, sondern vorbereitet zu seyn. Und wer weiß, ob du über ein Jahr, in einem Monate, ob du Morgen noch am Leben bist. Mein Jesus er­leuchte mich, und verzeihe mir meine Sünden!

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2. Betrachte, wie du in der Todesstunde auf dem Bette ausgestreckt liegen wirst, unter dem Beistande des Priesters, der deiner Seele zuruft, um­geben von deinen Verwandten, die über dich weinen, zu Häupten das Crucifix, die Todeskerze zu Füßen, auf dem Punkt in die Ewigkeit zu wandern. Dein Kopf ist voll Schmerzen, die Augen verdunkelt, die Zunge trocken, der Schlund geschlossen, die Brust beschwert, das Blut erstarrt, das Fleisch abgefallen, das Herz gebrochen; du mußt Alles zurücklassen, und wirst arm und nackt in die Grube gelegt um zu verwesen; da werden die Würmer dein Fleisch verzehren, und nichts wird von dir übrig bleiben als ein Paar fleischlose Knochen und eine Handvoll modernden Staubes, und nichts weiter. Deffne ein Grab, und siehe, was aus jenem reichen Prasser, aus jenem fargen Geizhalse, aus jenem eiteln Weibe geworden ist. So endigt das Leben. In deiner Todesstunde wirst du dich von bösen Geistern umgeben sehen, welche dir alle Sünden, die du seit deiner Kindheit begangen hast, vorhalten. Jetzt verdeckt und verklet­nert der Teufel die Schuld, um dich in der Sünde zu verhärten; er sagt dir, jene Eitelkeit, jener Genuß, jene Vertraulichkeit, jener Groll sey kein großes Uebel, jene Unterhaltung habe keine böse Absicht; aber im Tode wirst du die Schwere deiner Sünden entdecken, und beim Lichte jener Ewigkeit, in welche du hinübergehen sollst, wirst du erkennen, welcher Greuel es war, einen un­endlichen Gott zu beleidigen. Eile dich zu bessern, jetzt wo es noch Zeit ist, denn alsdann wirst du keine Zeit mehr haben.

3. Betrachte, daß der Tod ein Augenblick ist, von dem die Ewigkeit ab­hängt. Schon liegt der Mensch dem Tode nahe, im Angesicht einer der bet­den Ewigkeiten; und das Loos derselben ist an den letzten Athemzug geknüpft, nach welchem die Seele in einem Augenblick entweder gerettet oder verworfen ist für immer. O Augenblick, o Athemzug, von dem eine Ewigkeit der Glorie oder der Strafe abhängt, eine Ewigkeit immerwährender Freude, oder immer­währender Qual; eine Ewigkeit voll aller Güter, oder voll aller Uebel; eine Ewigkeit des Paradieses oder der Hölle. Wenn du in jenem Augenblicke ge­rettet wirst, wirst du kein Weh mehr haben und auf immer zufrieden und selig seyn. Aber wenn du das verfehlst und verloren gehst, bist du auf im­mer der Trauer und Verzweiflung Preis gegeben, so lange Gott Gott ist. Im Tode wirst du erkennen, was Himmel, Hölle, Sünde, Beleidigung Gottes,