Druckschrift 
Himmlisches Palmgärtlein : katholisches Gebet- und Erbauungsbuch / von dem ehrwürdigen Priester Wilhelm Nakatenus aus der Ges. Jesu [...] verfaßt. Neu bearb. und mit verschiedenen Zusätzen vermehrt durch Joseph Laurent. Die darin enthaltenen Lieder größtentheils übersetzt und bearb. von Friedrich Schlosser
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Das Leiden unseres Herrn Jesu Christi.

603

Ihn gefangen. Als nun die so um ihn waren sahen, was geschehen sollte, sprachen sie: Herr, sollen wir mit dem Schwerdte drein schlagen? Simon Pe­trus aber, der ein Schwerdt hatte, zog es aus, und schlug den Knecht des Ho­henpriesters und hieb ihm ein Ohr ab. Der Knecht aber hieß Malchus. Jesus aber antwortete und sprach: Lasset das! Und Er rührte das Ohr des Knechtes an und heilte ihn. Und Er sprach zu Petrus: Stecke dein Schwerdt in die Scheide, denn alle, die das Schwerdt ergreifen, werden durch das Schwerdt umkommen. Soll Ich denn den Kelch nicht trinken, den der Vater Mir gegeben hat? Oder meinst du, daß Ich meinen Vater nicht bitten könne, und Er wird Mir jetzt mehr als zwölf Legionen Engel zuschicken? Wie wür­den dann die Schriften erfüllet werden? Es muß also geschehen!

Jesus aber sprach zu denen, welche zu Ihm gekommen waren: Ihr seyd herausgegangen mit Schwerdtern und Stangen, gleichwie zu einem Mörder, Mich zu greifen; bin Ich doch täglich bei euch im Tempel gesessen und habe gelehrt, und ihr habt Mich nicht ergriffen; doch dies ist eure Stunde und die Macht der Finsterniß. Das Alles aber geschah, damit die Schriften der Pro­pheten erfüllet würden. Die Rotten aber und der Hauptmann und die Diener der Juden ergriffen Jesum und banden Ihn. Da verließen Ihn die Jünger alle und flohen. Ein Jüngling aber folgte Ihm nach, und war bekleidet mit Leinwand, aber er ließ das leinene Gewand fahren und floh entblößt von ihnen. Und sie führten Jesum erstlich zu Annas, der war des Caiphas Schwiegervater, welcher dieses Jahr Hoherpriester war. Es war aber Caiphas, der den Juden gerathen hatte, es sey besser, daß Ein Mensch sterbe für das Volk. Und Annas sandte Jesum gebunden zu dem Hohenpriester Caiphas, wo alle Schriftgelehrten und Aeltesten und Priester sich versammelt hatten. Simon Petrus aber folgte Jhm von weitem nach, und ein anderer Jünger. Dieser Jünger war dem Hohenpriester bekannt, und ging mit Jesu hinein in den Vor­hof des Hohenpriesters. Petrus aber stund draußen vor der Thüre. Da ging

der andere Jünger, der dem Hohenpriester bekannt war, hinaus und redete mit der Thürhüterin, und führte Petrus hinein. Da sprach die Thürhüterin zu Petrus: Bist du nicht auch einer von den Jüngern dieses Menschen? Er sprach: Ich bin's nicht. Es standen aber die Knechte und Schergen um ein Kohlen­feuer und wärmten sich, denn es war kalt. Petrus aber stand auch bei ihnen und wärmte sich.

Der Hohepriester aber frug Jesum über seine Jünger und über seine Lehre. Jesus antwortete ihm: Ich habe öffentlich geredet vor der Welt; Ich habe alle­zeit in der Synagoge gelehret und im Tempel, wohin alle Juden kommen, und Ich habe nichts im Verborgenen geredet. Was fragst du Mich? Frage die so gehört haben, was Ich zu ihnen geredet habe; siehe, diese wissen was Ich ge= sagt habe. Als Er aber solches gesagt hatte, gab einer von den Dienern, die dabei standen, Jesu einen Backenstreich und sprach: Antwortest Du also dem Hohenpriester? Jesus antwortete ihm: Hab Ich übel geredet, so beweise es; hab Jch aber recht geredet, warum schlägst du Mich? Aber der Hohepriester und der ganze Rath suchten falsches Zeugniß wider Jesum, damit sie Ihn zum Tode bringen möchten; und sie fanden keines, obgleich viele falsche Zeugen auftraten; denn ihre Zeugnisse kamen nicht überein. Zulegt aber kamen zwei