Druckschrift 
Himmlisches Palmgärtlein : katholisches Gebet- und Erbauungsbuch / von dem ehrwürdigen Priester Wilhelm Nakatenus aus der Ges. Jesu [...] verfaßt. Neu bearb. und mit verschiedenen Zusätzen vermehrt durch Joseph Laurent. Die darin enthaltenen Lieder größtentheils übersetzt und bearb. von Friedrich Schlosser
Entstehung
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Das Leiden unseres Herrn Jesu Christi.

falsche Zeugen und sprachen: Wir haben gehört, daß Er sagte: Ich will die­sen Tempel abbrechen, der mit Händen gemacht ist, und will in dreien Tagen einen andern bauen, der nicht mit Händen gemacht ist. Und auch ihr Zeugniß stimmte nicht überein. Und der Hohepriester stand auf, trat mitten unter fie, frug Jesum und sprach: Antwortest Du nichts zu den Dingen, die Dir von diesen vorgeworfen werden? Jesus aber schwieg still und antwortete nichts. Der Hohepriester frug Ihn abermal und sprach zu Ihm: Ich beschwöre Dich bei dem lebendigen Gott, daß Du uns sagest: ob Du bist Christus, der Sohn Gottes? Jesus sprach zu ihm: du hast es gesagt, Ich bin es. Aber Ich sage euch, von nun an werdet ihr des Menschen Sohn sizzen sehen zur Rechten der Kraft Gottes und kommen in den Wolken des Himmels. Da zerriß der Hohe­priester sein Kleid, und sprach: Er hat Gott gelästert, was bedürfen wir wei­teres Zeugniß? Seht, ihr habt die Gotteslästerung jetzt gehört: was dünket euch? Sie aber antworteten und sprachen: Er ist des Todes schuldig. Die Männer aber, die Ihn hielten, verspotteten und schlugen Ihn, und fingen an Ihn zu verspeien und sein Angesicht zu verhüllen und Ihn mit Fäusten zu schlagen, und frugen Ihn: weissage uns, Christe, wer ist es, der Dich geschla­gen hat? Und noch viele andere Lästerungen stießen sie gegen Ihn aus.

Petrus aber saß draußen im Vorhof, und eine Magd trat zu ihm und sprach: Du warst auch bei Jesu dem Galiläer. Er aber leugnete es vor ihnen allen und sprach: Ich weiß nicht, was du sagst. Und ein wenig hernach spra­chen, die da herumstanden, abermals zu Petrus: Du bist wahrhaftig einer von ihnen, denn du bist auch ein Galiläer. Er aber fing an sich zu verfluchen und zu verschwören: Ich kenne den Menschen nicht, von dem ihr redet. Und alsbald, indem er noch redete, krähete der Hahn zum andern Male; und der Herr wandte Sich um, und sah Petrus an. Und Petrus gedachte an des Herrn Wort, das Er zu ihm geredet hatte: ehe denn der Hahn zweimal krähet, wirst du Mich dreimal verleugnen. Und Petrus ging hinaus und weinte bitterlich. Da es aber Morgen ward, hielten alle Hohenpriester, Schriftgelehrten und Aeltesten des Volkes einen Rath wider Jesum, daß sie Ihn zum Tode bräch­ten. Und sie führten Ihn gebunden hin und übergaben Ihn Pontius Pilatus dem Landpfleger. Als das Judas sah, der Ihn verrathen hatte, daß Er zum Tode verdammt war, gereute es ihn, und er brachte die dreißig Silberlinge wieder zu den Hohenpriestern und Aeltesten und sprach: Ich habe gesündigt, daß ich das unschuldige Blut verrathen habe. Sie aber sprachen: Was geht das uns an? Da sieh du zu. Und er warf die Silberlinge in den Tempel und machte sich davon; und er ging hin und erhenkte sich selbst mit einem Stricke. Aber die Hohenpriester nahmen die Silberlinge und sprachen: Es ge­ziemt sich nicht, daß man sie in den Gotteskasten werfe, denn es ist Blutgeld. Sie fanden aber Rath und kauften dafür eines Hafners Acker zur Begräb­niß der Fremden. Daher ist dieser Acker genannt Haceldama, das ist Blut­acker, bis auf den heutigen Tag. Da ward erfüllet, was durch den Prophe­ten Jeremias gesagt ist, da er spricht: Sie haben die dreißig Silberlinge ge nommen, den Werth dessen, der geschäßt war, den sie von den Kindern Israel erkauft haben, und sie haben sie um eines Hafners Acker gegeben, wie mir der Herr befohlen hat." Als sie den Herrn zum Richthaus geführt, gingen sie nicht