Unterricht vom Gebete.
lichen Ergießungen des Gemüthes durch Worte, so heißt es ein mündliches.
Beide Arten des Gebetes sind dem Christen, der Gott liebt, sehr angenehm. Denkt ja ein Freund gern an seinen Freund, und unterredet sich mit ihm in herzlicher Innigkeit. Denkt ein gutes Kind gern an seinen lieben Vater und ergießt willig vor ihm seine Gesinnung, wie sollte denn der Christ nicht auch gern an Gott, seinen huldvollsten Vater, an Jesum, seinen liebreichen Erlöser, denken, und mit Frende seine Empfindungen der Ehrfurcht, der Dankbarkeit und Liebe vor Ihm niederlegen, und im zärtlichen Vertrauen Ihm um seine Hilfe und Gnade anflehen? Nur derjenige, welcher verblendeten Sinnes und verkehrten Herzens ist, vermag diese Wonne eines betenden Christen zu verkennen.
20
2. Da es palicht sei, oft zu beten.
Es erhellt von selbst aus der Natur des Gebetes überhaupt, daß das öftere Gebet, schon nach der bloßen Vorschrift der gesunden Vernunft, für Jedermann ohne Ausnahme unerläßliche Pflicht sei. Alle Menschen nämlich erkennen Gott als das höchst vollkommene Wesen und die unendliche Majestät, als den Ursprung und Herrn aller Dinge, als unser unbegrenztes Gut und unser letztes Ziel. Die Vernunft und das Gewissen sagen nun bei dieser Betrachtung der göttlichen Natur einem Jeden, daß wir die höchste Majestät Gottes und seine Herrschaft über uns nicht blos anerkennen müssen, sondern auch, daß wir, als seine Geschöpfe, Unterthanen und Kinder, in den Staub niedersinken sollen, um Ihm die gebührende Ehre, Liebe, Huldigung, Bewunderung darzubringen, und daß wir allen unsern Handlungen und Entschließungen eine fromme Richtung auf Gott, als unser letztes Ziel, geben und sie Ihm als Opfer weihen müssen. Und da wir Alles, was wir sind und haben, blos von Gott empfangen, so müssen wir Ihn auch als unsern größten Wohlthäter anerkennen und Ihm kindlichen Dank zollen. Wer sich durch Sünde von Gott als von seinem letzten Ziele und höchsten Gute entfernt, und sich durch Ungehorsam wider Ihn empört, dem fagt fein folterndes Gewissen, daß er mit reuigem Herzen über seine Vergehungen Gott um Verzeihung anzuflehen, und sich


