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Himmelsleiter oder vollständiges katholisches Gebetbuch mit vielen Belehrungen und Betrachtungen aus den Missionsandachten und Meßgesängen / von Fr. H. Reinerding, Dr. der Theol. und Philos. u. Prof. d. Theol. im "S. Cuthbert's College Ushaw bei Durham" in Nordengland. Mit einem Stahlstich und Goldtitel. Mit bischöfl. Approbation
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Elfte Betrachtung.

und Eitelkeit, endlich dahin, daß die Seele der göttlichen Gnade ganz verlustig wird. Denn wer sich dem göttlichen Heilande nicht ganz hingeben will, der betet ohne wahre An­dacht, arbeitet ohne Freude, überwindet sich selbst ohne Trost, und feine Pflicht seines Berufes wird ihm durch Kraft von oben versüßt; dabei wird er unaufhörlich von allerlei irdi­schen Gedanken, Zuneigungen und Abneigungen versucht. Und wie sollte er eine solche Bürde lange ertragen? wie nicht allmählig zum tiefen Falle kommen? Und weh' einer sol­chen Seele, wenn dieses eintritt! Denn gehört sie nicht zu jenen Lauen, von welchen es in der geh. Offenbarung heißt: ,, O daß du doch kalt oder warm wärest! Weil du aber we­der kalt noch warm, sondern lau bist, so will ich anfangen, dich aus meinem Munde zu speien?"

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II. Bunft. Betrachte ferner, wie die thörichten Jung­frauen erst da Del für ihre Lampen suchten, als der Brau­tigam schon gekommen war. Und wie? Die Ankunft des Bräutigams bezeichnet den Tod. Vor dem Tode also werden die thörichten Jungfrauen nicht gewahr, daß es ihnen an den Werken fehlt, welche sie des Erscheinens vor dem gött­lichen Bräutigam würdig machen. Das ist gerade den lauen Seelen eigenthümlich. Wenn diese in Folge ihrer Lauheit allmählig zum tiefen Falle kommen, so denken sie gewöhnlich nicht eher an den Abgrund, in welchem sie stecken, als vor dem göttlichen Gerichte. Da möchten sie alles thun, aber die Zeit des Wirkens ist vorüber, es ist zu spät. Darum wird auch in der angezogenen Stelle der Zustand der Kälte d. h. der schweren Sünde dem Zustande der Lauheit vorgezogen, und nur von der lauen Seele wird gesagt, daß sie solle aus gespieen werden. D schrecklicher Zustand einer lauen Seele! Wie gefährlich für das ewige Heil ist es daher auch, nach­zulassen in dem ersten guten Gifer, dem göttlichen Heilande in der Verachtung der Welt zu folgen? wie gefährlich, mit der Liebe zu ihm die Liebe zur Welt verbinden zu wollen?

Aber betrachte nun auch, ob du nicht fenen thörichten Jungfrauen gleichest. Hast du dich dem göttlichen Heiland mit ganzer, ungetheilter Liebe hingegeben, so daß die Liebe zu ihm die Triebfeder deiner Handlungen ist, oder handelst du vielmehr aus Eigenliebe? aus Stolz? Suchst du ihm auch so nachzufolgen, daß du ihm alle deine Neigungen zum Opfer