Druckschrift 
Himmelsleiter oder vollständiges katholisches Gebetbuch mit vielen Belehrungen und Betrachtungen aus den Missionsandachten und Meßgesängen / von Fr. H. Reinerding, Dr. der Theol. und Philos. u. Prof. d. Theol. im "S. Cuthbert's College Ushaw bei Durham" in Nordengland. Mit einem Stahlstich und Goldtitel. Mit bischöfl. Approbation
Entstehung
Einzelbild herunterladen

458

Neunte Betrachtung.

tet ist? wenn du den Tand dieser Welt nicht als Mittel zu einem Höhern und Bessern betrachtest, sondern in ihm deine Zufriedenheit suchst? Wie folgst du ihm, wenn du dir faum die sinnlichen Genüsse versagen kannst, welche dir das gött­liche Geseß verbietet? Wie folgst du ihm, wenn du in dei­nen Handlungen überall nach Ehre vor den Menschen strebst und bei jeder Ehrenkránkung ic. so empfindlich wirst? Ist das ein Leben, wie es sich für einen Christen, der da als Nachfolger Christi ein anderer Christus sein soll, geziemt? Wie hast du demnach nicht sehr Vieles an dir zu verbessern? II. Punkt. Betrachte ferner, wie nüglich und noth wendig, angenehm und leicht die Selbstverleugnung ſei. Sie ist nüglich und nothwendig. Der Weg der göttlichen Gebote ist ganz cin Weg der Selbstverleugnung. Wer det Sünde nicht dienen will, muß seine bösen Leidenschaften, welche ihn zur Sünde treiben, unaufhörlich bekämpfen, und wo er darin nachläßt, da bekommen sie mehr und mehr Gewalt über ihn. Ein Kriegsdienst in das Leben des Menschen auf Ers en. Wie nüglich und nothwendig ist aber dann die Selbst verleugnung? Kann man wohl sagen, daß ein Mensch, wel­cher sich selbst nicht verleugnen will, den Weg des Heiles wantle?- Die Selbstverleugnung ist aber auch angenehm. Oder wo hat der Mensch je damit, daß er seinen Leidenschaf ten nachging, die gesuchte Glückseligkeit gefunden? Führt nicht jede unordentliche Gesinnung in dem Mangel an ho herm Troste und in der Folter des Gewissens ihre Strafe mit sich? Wo gibt es hienieden wahre Zufriedenheit, als bei de nen, welche, um Christus zu folgen, ihre bösen Begierlich­feiten bekämpfen? Auch ist der Weg der Selbstverleugnung nicht so schwer zu wandeln, als es anfänglich scheint. Zwar fehlt es auf demselben nicht an Kämpfen; man braucht aber nur ernstlich zu beginnen, um sich von der Wahrheit der Worte Christi zu überzeugen: ,, Mein Joch ist sanft und meine Bürde ist leicht." Denn, wo der Mensch nur ernstlich will, da kommt ihm auch Gott mit seiner Gnade zu Hülfe und ers leichtert ihm die Last.

15 in

Denke nun ernstlich nach, welche deine Hauptneigung sei, die dich am meisten zur Sünde verleite. Dann bereue die Sünden, welche bu, ihr nachgebend, begangen hast, und mache, unter Bezugnahme auf besondere Gelegenheiten und