Druckschrift 
Himmelsleiter oder vollständiges katholisches Gebetbuch mit vielen Belehrungen und Betrachtungen aus den Missionsandachten und Meßgesängen / von Fr. H. Reinerding, Dr. der Theol. und Philos. u. Prof. d. Theol. im "S. Cuthbert's College Ushaw bei Durham" in Nordengland. Mit einem Stahlstich und Goldtitel. Mit bischöfl. Approbation
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Erste Betrachtung.

seinem Ebenbilde gemacht und mit so vielen Fähigkeiten tes Leibes und der Seele begabt. Was sollst du, geringes Geschöpf! daher nicht auch für Gott thun, wenn du ihm Alles Alles verdankst? Mit welcher Liebe ihm nicht anhangen, wenn du so ein Werk seiner Liebe bist? Doch, wie hast du diese Wahrheit bisher erkannt? Hast du dich als ein Nichts- welches du aus dir bist, betrachtet? Erröthe vor dir selbst. llnd wie haft du Gott für die große Wohlthat gedankt, welche er dir vor so unzähligen Andern, die ihm treu würden gedient haben, und die er dennoch in ihrem Nichts ließ, erwiesen hat? Welchen Grund hast du nicht, deine llndankbarkeit zu beweinen!

-

-

431

II. Punft. Du bist ferner, meine Seele! geschaffen, nicht, um den Vergnügungen nachzugehen, noch, um dir irdische Schätze zu sammeln, noch endlich, um auf dieser Welt zu glänzen und zu gelten, sondern, um Gott zu die­nen und ihn so zu verherrlichen, wie er es von dir ver­langt. Ja, Gott fonnte dich in deinem Nichtsein lassen, weil er deiner nicht bedurfte; doch wollte er dich erschaffen, so konnte er, weil der Schöpfer nothwentig der Herr sei nes Geschöpfes ist, und weil er als der Allweise in der dir zu gebenden Bestimmung nur der Ordnung gemäß han­deln konnte, dich nicht erschaffen, ohne zu verlangen, daß du ihm dientest. Du bist also wesentlich ein Diener Gottes, und Gott zu tienen ist dein wesentliches Geschäft. Bist du aber ein Diener Gottes, so mußt du ihm auch so rie­nen, wie er es von dir verlangt. Oder dient seinem Herrn wohl der Diener, welcher nur das thun will, was ihm selbst gefällt, nicht aber, was jener verlangt? Doch, was hast du dann zu thun? Wie hast du diese deine Bestimmung bis jetzt erkannt und vor Augen gehabt? Wie in den Ge­boten Gottes? wie in den göttlichen Fügungen? Erkenne beine Nichtswürdigkeit, der du, obgleich vor den leblosen und unvernünftigen Geschöpfen mit so vielen Fähigkeiten des Leibes und der Seele ausgerüstet, dennoch weniger als fie deiner Bestimmung entsprochen haft. Denn wozu haft

du nicht deine Freiheit gemißbraucht? Was hast du dafür auch von Gott, der auf seinen Dienst nicht verzichten kann, verdient, und wie muß er, wenn das ihm zugefügte Unrecht nicht gesühnt wird, mit dir verfahren? Was willst du in