Druckschrift 
Maria, du Königin der Märtyrer, Zuflucht der Sünder und Helferin der Christen, bitt für uns! : vollständiges Gebetbuch für fromme Verehrer Mariä ; zugleich als Wallfahrtsbuch [...] insbesondere zu dem Gnadenorte Bornhofen zu gebrauchen / hrsg. von Jos. Aloys Krebs
Entstehung
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Mein Herr Vater merkte wohl, daß Gott hierdurch die Zahlung des Gelübds forderte, aber es war seiner Seits unmöglich zu entrichten, weil das Podagra ihn also zugerichtet, daß er weder stehen noch gehen konnte. Bei so gestalter Sachen wollte er doch recognosciren lassen, ob es möglich nach Bornhofen zu kommen, weil damals, als in den schwedischen Kriegszeiten die Leute verloffen, die Derter öde gelegen, und eine große Hun­gersnoth war. Er schickte derowegen einen seiner Knechte, wel­cher von Salzig bei Bornhofen zu Haus, dorthin, mit Befehl, ihm ein Denkzeichen mitzubringen: welcher dann auch glücklich dort angelangt, sein Gebet vor dem Gnadenbild verrichtet, und zum Denkzeichen ein papiernes, die schmerzhafte Mutter entwer­fendes Bild mit znrück gebracht, auch meinem Herrn Vater große Freude verursacht. Doch wußte er nicht was Raths? Laßt also zwei P. P. Kapuziner des Klosters Wallerfangen ihren Rath einzuholen, berufen; welche dann die Unmöglichkeit gethanes Gelübd nach Bornhofen zu erfüllen erwägend, für gut befunden, folches zu permutiren. Meine Frau Mutter demnach mit den zwei P. P. Kapuzinern ist nach Gräfenthal zu eben einem miraculosen Mutter- Gottes Bild gewallfahrtet, woselbst gemeldete P. P. die heilige Messe gelesen und meine Frau Mut­ter ihre Andacht verrichtet, die Hülfe Mariä inständigst anru­fend, mir neben dem Leben, welches ich schon wieder hatte, auch die Sprache und vorige Gesundheit zu erhalten, welches denn auch auf folgende Weise geschehen: Während der Zeit, daß die Herren P. P. mit meiner Frau Mutter in der Kirche gewesen, ging ich auf den Bänken, so ringsum in der Stube waren, von einem Fenster zum andern, fleißig merkend auf die Rückkehr meiner Frau Mutter: welche, als ich von fern ersehen, fing ich an mit heller Stimme zu rufen: Pappa! Mamma! von selbi­gem Augenblick an habe ich nicht allein die Sprache, fondern auch die vorige Fröhlichkeit und Gesundheit erhalten."

Bis hierher hochgedachter Herr Obrister von Lettig, sowohl mündlich als schriftlich; welchem desto eher Glauben beizumessen, weil solches Zeugniß von einem so hoch ansehnlichen, fünf und fiebenzigjährigen Herrn abgelegt worden.

Anno 1684 hat die Bornhofner Gnaden- Mutter ihre barm­herzige Hand an einem dreijährigen Mägdlein spüren lassen. Befagtes Kind war völlig abgezehrt, auch nichts als Haut und Bein übrig: wollte auch gar nichts effen, stand also der Tod vor der Thür. Die betrübte Mutter dieses Kindes wendet sich nach Bornhofen zu derjenigen, welche allen die Speise des Le­bens geboren, verspricht einige heilige Messen an dero Gnaden­Altar daselbst. Nach geschehenem Gelübde fängt das Kind wie­