XIX
Erzählung etlicher Wanderwerke von dem
Gnadenbilde zu Bornhofen aus älterer Zeit.*)
Anno 1719 ist der Wohledelgeborne Herr Henricus Ernestus von Lettig, der Chur- Trierischen Truppen Obrister und Commandant der Festung Ehrenbreitstein, selbst zu Bornhofen gewesen, und hat dem damaligem P. Guardian, welcher war P. Damianus von Leiven, im Klostergarten folgende Speciem facti mündlich erzählet, auch im folgenden 1720ften Jahr den 14. Juli mit eigener Hand diefelbe in das Kloster- Archiv hinterlegt, woraus ichs treulich hierher seße. Die Schrift lautet also:
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Ich Henricus Erneftus auf dem Schloß zu Sargemünd, einer Stadt in deutsch Lothringen an dem Fluß Saar gelegen, Anno 1645 auf die Welt geboren, war wegen aufgemuntertem Naturel der Augapfel meiner Eltern. Als ich 3 Jahr erreicht, bin ich aus sonderbarer Schickung Gottes schwer erkrankt, auch todts verblichen. Welches dann auch meinen Eltern so stark zu Herzen gedrungen, daß ihnen kein Trost beizubringen war, den= noch zur Begräbniß alle Anstalt machen ließen. Da nun alles zugerichtet, der dritte Tag von meinem Tod ankommen, auch der Herr Pastor mit dem Kreuz und Schulkindern mich abzuholen, gegenwärtig war; that mein Herr Vater ein Gelübd, zu dem Gnadenbild nach Bornhofen eine Wallfahrt und Opfer zu ent richten, wenn der gütige Gott, ein Herr des Todes und des Lebens, mir durch die mächtigste Fürbitt seiner schmerzhaften Mutter das Leben wieder ertheilen werde. Nach gethanem Gelübd in vollem Glauben nahm er mich von der Todtenbahr in seine Arme, umpfing und drückte mich an sein väterliches Herz. Und sehet Wunder! alsbald ließ ich Zeichen des Lebens verspüren, dergestalt, daß ich ganz wunderlich vom Tod zum Leben auferweckt worden, auch der Herr Pastor unverrichteter Sache nach Haus gehen müssen. Ich bin aber ganz stumm und me lancholisch verblieben. Da war nun Freud und Leid beisammen:
*) Auszug aus einer im Jahre 1748 erschienenen Geschichte des Klosters Bornhofen, welche von dem damaligen Guardian mit dem Bemerken approbirt wurde, daß dieselbe in allen Stücken mit dem Klosterarchiv und andern glaubwürdigen Zeugnif fen übereinstimme."


