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Maria, du Königin der Märtyrer, Zuflucht der Sünder und Helferin der Christen, bitt für uns! : vollständiges Gebetbuch für fromme Verehrer Mariä ; zugleich als Wallfahrtsbuch [...] insbesondere zu dem Gnadenorte Bornhofen zu gebrauchen / hrsg. von Jos. Aloys Krebs
Entstehung
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und der nach oben gerichtete Boden mit einigen Thalern belegt, so daß die Schwester keinen Grund fand, die Nich­tigkeit der Theilung zu bezweifeln. Nachdem sie ihr ge­ringes Erbtheil empfangen, ward sie bedeutet, das Schloß zu verlassen, oder wohl gar gewaltsam vor das Burgthor gebracht; vermuthlich hofften die unbarmherzigen Brüder, sie werde, ohne Führer, den steilen Berg hinabtaumelnd, verunglücken. Dies geschah aber nicht, sondern von einer höhern Hand geleitet, erreichte sie glücklich die Tiefe und fand dort in dem Baue eines Kirchleins die nützlichste Verwendung ihres Vermögens und Trost für die Hart­herzigkeit der Ihrigen. So berichtet die Sage.

Aus einer Urkunde vom Jahre 1224 und einer andern vom Jahre 1311 geht hervor, daß bereits zu dieser Zeit eine Kirche in Bornhofen gestanden; auch wird versichert, daß sich schon damals in dieser Kapelle das Gnadenbild der schmerzhaften Mutter befunden habe, und daß dasselbe, wenn nicht vor dem Jahre 1311, doch sicher von da an durch Wunder berühmt geworden sei. Diese Kapelle in eine Kirche zu verwandeln, war einem frommen Nittersmanne, Johannes Brömser von Rüdesheim, vorbehalten. Derselbe hatte nämlich wegen der Burg Sternberg, die er wahrscheinlich von seiner Mutter( Sophia Schenk von Liebenstein) ererbt hatte, viele und heftige Kämpfe mit den Grafen von Katzenellenbogen zu bestehen; nachdem er endlich mit Gottes Beistand die Oberhand erhalten, begann er sogleich aus schuldiger Dankbarkeit drei Kirchen zu bauen, welche noch vorhanden sind: nämlich die Pfarrkirche zu Rüdesheim, die Kirche des Gnadenbildleins unseres blutschwitzenden Heilandes, Noth­Gottes genannt, im Rüdesheimer Wald, und endlich die Mutter- Gottes- Kirche zu Bornhofen, welche den 14. August 1435 vollendet und unter dem Kurfürsten Rabanus mit großer Feierlichkeit eingeweiht wurde. Durch die stets fortdauernden Gnaden und wunderbaren Gebetserhörungen vermehrte sich der Zulauf des Volkes von Nah und Fern